Rohstoffe
Rio Tinto schlägt Chinesen die Tür zu

Scheinbar hat diese Meldung mit Deutschland nicht viel zu tun, doch das täuscht: Der weitere Einstieg der Chinesen beim britisch-australischen Rohstoffkonzern Rio Tinto ist geplatzt. Das dürfte den Preis für Rohstoffe wie Eisenerz kurz- und langfristig erheblich beeinflussen. Außerdem ist es ein klares Signal an China im Hinblick auf seinen Expansionsdrang.

HB SYDNEY. Man habe sich mit dem chinesischen Staatskonzern Chinalco nicht über die Bedingungen für den Ausbau der Beteiligung einigen können, teilte Rio Tinto in der Nacht zum Freitag in Sydney mit. Um trotzdem an die dringend benötigte Finanzspritze zu kommen, kündigte Rio Tinto nun eine mit großem Abschlag versehene Kapitalerhöhung über 15,2 Mrd. $ an. Zudem plant der Konzern, seine australischen Eisenerzminen mit denen seines Rivalen BHP Billiton zusammenzulegen.

Die Aktienkurse beider Unternehmen schossen nach der Ankündigung in die Höhe. Nach knapp zwei Handelsstunden lagen Rio-Tinto-Papiere in London mit 11,07 Prozent im Plus und wurden mit 3 021,00 britischen Pence gehandelt. Die Aktien von BHP Billiton notierten mit 9,75 Prozent im Plus bei 1 599,00 Pence.

Chinalco äußerte sich enttäuscht. Das Unternehmen wollte seine Neun-Prozent-Beteiligung an Rio Tinto verdoppeln. Das Geschäft hätte einen Umfang von 19,5 Mrd. Dollar (13,7 Mrd Euro) gehabt und wäre sowohl die größte Auslandsinvestition Chinas als auch die größte ausländische Beteiligung in der australischen Wirtschaftsgeschichte gewesen. „Auch wenn diese Transaktion nicht klappt, wird sich das strategische Ziel von Chinalco, ein internationales Multi-Metall-Unternehmen aufzubauen, nicht ändern“, teilte Generalmanager Xiong Weiping mit. Das Unternehmen halte nach anderen Beteiligungsmöglichkeiten Ausschau. Rio Tinto muss den Chinesen wegen des geplatzten Geschäfts nun eine Vertragsstrafe von 195 Mio. US-Dollar bezahlen.

Das Rio-Tinto-Management betonte, dass es weiterhin an einer Zusammenarbeit mit Chinalco interessiert sei. Zunächst aber legt Rio Tinto seine westaustralischen Minen in einem Joint Venture mit BHP Billiton zusammen. Die möglichen Synergien bezifferte Rio Tinto auf mehr als zehn Mrd. Dollar. Die Bergwerke beider Unternehmen liegen in derselben Gegend. Bei einem Zusammenschluss können dieselben Transport- und Hafenanlagen genutzt werden. Außerdem erwartet Rio Tinto eine Ausgleichszahlung von BHP Billiton über 5,8 Mrd. Dollar.

„Mit dem Joint Venture entsteht ein konkurrenzloses Eisenerz-Geschäft mit Weltklasse-Anlagen und -Infrastruktur“, sagte Rio-Verwaltungsratschef Jan du Plessis. BHP-Chef Marius Kloppers sagte: „Die Synergien in dieser Kombination sind so erheblich, dass beide Unternehmen seit mehr als zehn Jahren über ein Zusammengehen nachgedacht haben.“ BHP wollte Rio Tinto im vergangenen Jahr übernehmen, ließ aber mit Verweis auf die Schulden von der feindlichen Übernahme ab. Rio Tinto ist nach dem Kauf des kanadischen Rivalen Alcan vor zwei Jahren mit rund 38 Mrd. Dollar verschuldet.

Im Zuge der Kapitalerhöhung über Bezugsrechte können Rio-Tinto-Aktionäre für je 40 alte Aktien 21 neue Aktien zeichnen. In Großbritannien liegt der Bezugspreis je Aktie bei 1 400 Pence, in Australien bei 28,29 australischen Dollar. Insgesamt will der Konzern durch die Kapitalerhöhung 15,2 Mrd. $ einnehmen und damit die Rückzahlung seiner Kredite sichern. Durch die Finanzspritze soll die Verschuldung auf 23,2 Mrd. Dollar sinken.

Die Gespräche zwischen Rio Tinto und Chinalco hatten Premierminister Kevin Rudd in Verlegenheit gebracht. Rudd propagiert zwar den freien Welthandel und grenzüberschreitende Investitionen. Doch hatte seine Regierung im vergangenen Jahr schon Sorge über den wachsenden Appetit ausländischer staatlicher Investmentfonds auf die australische Rohstoffindustrie geäußert. Gleichzeitig nimmt China bereits 20 Prozent der australischen Exporte ab und ist damit ein nicht zu verprellender Kunde. Der konservative Senator Barnaby Joyce frohlockte dagegen unverhohlen. „Das ist großartig für die Australier. Es gibt keine Komplikationen, wie sie entstanden wären, wenn die kommunistische Regierung Chinas teilweise in Besitz des australischen Rohstoffreichtums gekommen wäre“, meinte er.

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