Rohstoffe
Rio Tinto will Chinesen an Bord holen

China baut seinen Einfluss im internationalen Rohstoffhandel aus. Nun wollen chinesische Investoren weitere Anteile des Rohstoffkonzerns Rio Tinto übernehmen. Verhandelt wird vor allem über Beteiligungen an bedeutenden Bergwerken für Kohle und Eisen.

LONDON. Die Verhandlungen mit China haben den angeschlagenen Rohstoffkonzern Rio Tinto wieder in die Offensive gebracht. Analysten reagierten gestern positiv auf die Bestätigung, dass Rio Tinto über einen Verkauf von Beteiligungen und einer Wandelanleihe an chinesische Investoren verhandle. Die Aktie des Konzerns stieg in London um rund sieben Prozent. Die australische Regierung reagierte zumindest nicht ablehnend auf die Idee, dass der chinesische Metallkonzern Chinalco seinen Anteil von derzeit neun Prozent an Rio Tinto aufstocken könnte.

Der Verwaltungsrat von Rio Tinto bestätigte am Montag in einer knappen Mitteilung die Gespräche mit Chinalco. Er sagte, dass er mit Chinalco über den Verkauf von Minderheitsanteilen an verschiedenen Bergwerken der Gruppe spreche. Man rede auch über chinesische Investitionen in von Rio begebene Wandelanleihen. Von einer direkten Aufstockung der Beteiligung an Rio Tinto ist in der Mitteilung nicht die Rede. Chinalco hatte sich vor einem Jahr mit neun Prozent bei dem britisch-australischen Konzern eingekauft, doch das Investment von 14 Mrd. Dollar hat seither mehr als drei Viertel an Wert verloren. Die australische Aufsichtsbehörde für Auslandsinvestitionen hat Chinalco einen Anteil von bis zu knapp 15 Prozent genehmigt.

Der Vizepräsident von Chinalco, Lu Youqing, bestätigte der Nachrichtenagentur Bloomberg, dass es erste Gespräche mit Rio Tinto über den Kauf von Minenanteilen gebe. Es gebe aber keine Garantie, dass sie zum Erfolg führten. Zu einer Aufstockung der direkten Beteiligung wollte er sich nicht äußern. Finanzieren könne Chinalco Käufe mit Krediten staatlicher Banken, sagte er. Chinalco habe aber auch eigene Barreserven von 8,8 Mrd. Dollar. Den Einstieg bei Rio Tinto vor einem Jahr hatte die staatliche China Development Bank finanziert.

Nach Informationen britischer und australischer Zeitungen könnten Rio Tinto bei einer Einigung bis zu 15 Mrd. Dollar aus China zufließen. Der drittgrößte Rohstoffkonzern der Welt braucht Geld, um seine Schuldenlast von rund 39 Mrd. Dollar abzubauen. Er hat deshalb schon für 4,6 Mrd. Dollar Bergwerke verkauft und ein Sparprogramm aufgelegt, dem 14 000 Stellen zum Opfer fallen.

Analysten wiesen darauf hin, dass Rio Tinto den Chinesen schon Beteiligungen an bedeutenden Minen anbieten müsse, um auf die benötigten Milliardensummen zu kommen. Interesse habe China an fast allen Rohstoffen, die Rio Tinto herstelle. Chinalco als Hersteller von Aluminium dürfte etwa an Rios australischen Minen interessiert sein, die das Vorprodukt Alumina herstellen. Auch die riesigen Kohlebergwerke und Eisenerzminen des Konzerns in Australien seien zweifellos von großem Interesse, sagten Analysten. Glyn Lawcock von der UBS brachte sogar die Kupfermine Escondida in Chile ins Gespräch. Der Zeitpunkt für den Einstieg sei für die Chinesen günstig, weil die Rohstoffpreise jetzt niedrig seien.

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