Rohstoffe
Rohstoffkonzerne pokern um Übernahmeziele

Das Fusionsfieber im Rohstoffsektor hält an: Weltweit rechnen Experten mit weiteren Übernahmen. Nicht zuletzt Chinas Unternehmen wollen in dem Poker mitspielen. Sie haben einen Blick auf mittelgroße Unternehmen geworfen und damit ein Gegengewicht zu den großen westlichen Konzernen aufbauen.

OTTAWA/KAPSTADT/DÜSSELDORF. Im Minensektor schlägt in den nächsten Tagen die Stunde der Wahrheit: Es wird sich zeigen, in welcher finanziellen Verfassung die Großen der Branche sind, die wie kaum eine andere Industrie im Fusionsfieber steckt. Anglo American und Xstrata legen Halbjahreszahlen vor, der mögliche Zusammenschluss dieser Bergbaukonzerne liegt schon länger auf dem Tisch. Die Schweizer Xstrata bietet dem südafrikanischen Konkurrenten eine "Fusion unter Gleichen" im Wert von 22 Mrd. Pfund an. Doch Anglo wehrt sich vehement gegen die Offerte. Mit Spannung erwarten Aktionäre daher Äußerungen von Anglo-Chefin Cynthia Carroll und Xstrata-Chef Mick Davis zur künftigen Strategie.

Marktexperten zeigen sich überzeugt, dass Xstrata und Anglo für sich zu klein sind, um auf Dauer den Großen Paroli zu bieten - eine Fusion sei sinnvoll. Zusammen würden die Konzerne auf Rang drei vorrücken, knapp hinter Rio Tinto. Auf Rang eins liegt BHP Billiton. Vor allem bei Anglo lockt Einsparpotenzial: Der Konzern hat rund 85 000 Angestellte - mehr als doppelt so viele wie Xstrata (40 000).

Doch der Prozess wird sich voraussichtlich noch längere Zeit hinziehen. "Ich glaube nicht, dass eine Fusion unter Gleichen erfolgreich sein kann und dass Xstrata selbst damit rechnet", sagt Des Kilalea, Analyst von RBC Capital Markets. Ebenso wenig sei zu erwarten, dass Xstrata angesichts seines recht hohen Verschuldungsgrades den kolportierten Aufpreis von 30 bis 40 Prozent auf den Kurs zahlen wird.

Xstrata-Chef Davis aber gilt in der Rohstoffbranche als gewiefter Verhandler und dürfte den Widerstand Anglos einkalkuliert haben. Er ist davon überzeugt, dass Größe und Diversifikation entscheidende Kriterien für den Wert eines Unternehmens darstellen. Sollte der Merger dennoch nicht zustande kommen, wird Davis vermutlich nach neuen Objekten suchen: Dazu zählt etwa eine Neuaufnahme der Gespräche mit dem brasilianischen Eisenerzförderer Vale, die 2008 eingestellt wurden.

Terence Ortslan, Chef der Bergbauanalysten TSO & Associates aus Kanada, geht davon aus, dass Xstrata die Anglo-Übernahme vorantreiben wird. "Das Projekt ist immer noch auf dem Tisch", sagt er. Doch das sei nicht das einzige absehbare Fusionsgeschehen in der Branche. Seiner Beobachtung nach schauen sich die großen Bergbaukonzerne verstärkt außerhalb des Kerngeschäfts Basismetalle um. Beispiel: Zuletzt kamen am Markt Gerüchte auf, Vale könnte für 25 Mrd. Dollar den US-Düngemittelproduzenten Mosaic übernehmen. Generell gibt es in der Branche genug Unternehmen die über eine gut gefüllte Kriegskasse verfügen. Angefacht wird die Fusionslust zudem durch die Erwartungen langfristig wieder steigender Rohstoffpreise.

Die "Großen" der Branche werden sich daher zumindest unter den kleineren Gesellschaften umsehen. "Wenn man keine Möglichkeit zur eigenen Expansion hat, sind Zukäufe das einfachste Wachstumsmittel", sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Unter den "Großen" erwartet TSO-Analyst Ortslan nur noch ein oder zwei weitere Fusionen". Dazu zählt auch er an erster Stelle den Zusammenschluss von Xstrata und Anglo American.

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