Rohstoffe werden teurer
Thyssen-Krupp will Stahlpreise weiter erhöhen

Der Industriegüterkonzern ThyssenKrupp will das Preisniveau im Stahlgeschäft trotz rückläufiger Auftragseingänge mindestens halten. Wegen der steigenden Rohstoffkosten sollten die Preise sogar weiter erhöht werden, sagte Finanzvorstand Stefan Kirsten vor Analysten.

HB DÜSSELDORF. ThyssenKrupp halte an seiner „Preis-vor-Menge“-Politik fest und werde die Preise für Flachstahl sogar weiter anheben, sagte Kirsten am Mittwoch auf einer Analystenkonferenz in London. Dies sei wegen der drastisch gestiegenen Rohstoffkosten notwendig. Ein Firmensprecher hatte zuvor erklärt, noch gebe es keinen konkreten Beschluss über die nächste Preiserhöhung. Zuletzt hatte Deutschlands größter Stahlkocher seine Preise Anfang April angehoben.

Für die Stahlunternehmen haben sich Rohstoffe wie Eisenerz und Kohle zuletzt drastisch verteuert. Der deutsche Stahlverband schätzt, dass etwa die seit April wirksame Preiserhöhung um rund 70 Prozent bei Eisenerz die deutschen Stahlunternehmen in diesem Jahr mit rund 700 Millionen Euro zusätzlich belastet.

Die Auftragseingänge waren in der deutschen Stahlbranche in den vergangenen Monaten zurückgegangen, weil die Kunden in Erwartung weiter steigender Preise ihre Lager aufgefüllt haben. Im Zwischenbericht über das zweite Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2004/05 hatte ThyssenKrupp die Erwartung vertreten, dass der Lageraufbau im weiteren Jahresverlauf abnehmen und die Nachfrage wieder anziehen werde.

Die Nachfrageentwicklung ist für Kirsten nicht beunruhigend. Sie sei kein Grund, die Gewinnprognose für das Gesamtjahr zu ändern. Nach wie vor erwarte der Konzern aus dem Stahlgeschäft einen Ergebnisbeitrag von deutlich über einer Milliarde Euro. Im ersten Halbjahr hatte ThyssenKrupp Steel bereits 687 Millionen Euro Gewinn vor Steuern aus dem fortgeführten Geschäft verbucht.

Die ThyssenKrupp-Aktien zogen am Mittwoch kräftig an. Zum Handelsschluss wurden sie bei 14,37 Euro um 2,4 Prozent höher notiert. Die Aktie war nach dem unter Finanzexperten weitgehend als enttäuschend gewerteten Quartalsbericht am Montag auf ein Acht-Monats-Tief gefallen.

Der neue geschaffene Marine-Verbund unter dem Dach von ThyssenKrupp ist möglicherweise am Erwerb des zur britischen BAE Systems gehörenden Marine-Zulieferers Atlas Elektronik interessiert. Der für die ThyssenKrupp Marine Systems zuständige Vorstand Olaf Berlien sagte, Atlas sei ein zentraler Zulieferer, aber es gebe noch keine endgültige Entscheidung darüber, ob man dafür bieten sollte.

Zuvor hatte der französische Rüstungskonzern Thales Kaufinteresse angemeldet, falls sich BAe von dieser Tochter trennen wolle. Atlas gehört zu den führenden Anbietern von U-Boot- und Schiffselektronik und setzt knapp 300 Millionen Euro um. Britischen Zeitungsberichten zufolge erwägt BAe Systems, die deutsche Tochtergesellschaft zu verkaufen.

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