Rohstoffknappheit bleibt auch 2005 erhalten
Stahlhersteller rechnen mit Megafusionen

Der Stahlboom wird in Deutschland nach Einschätzung des deutschen Branchenverbands abflauen. Doch die beiden weltgrößten Stahlhersteller Mittal und Arcelor drängen auf weitere Großfusionen in der Branche.

HB DÜSSELDORF. „Es besteht weiterhin die Notwendigkeit und der Raum für zusätzliche Konsolidierungen, denn die bisherigen Transaktionen sind beschränkt auf die größten Unternehmen in der Branche,“ sagte Arcelor-Chef Guy Dolle auf der Handelsblatt-Branchentagung „Stahlmarkt 2005“ zum Thema „Entwicklung des Marktes - Strategien der Industrie“am Dienstag in Düsseldorf. Arcelor wolle die nächsten Schritte aktiv vorantreiben. Auch der weltgrößte Stahlproduzent Mittal Steel rief nach einer schnellen Konsolidierung. Der Druck zu weiteren Fusionen könnte in nächster Zeit zu höheren Preisen für die übernommenen Firmen führen, sagte der Chef des Mittel- und Osteuropageschäftes von Mittal, Roeland Baan. Die Fusionen der vergangenen Jahre seien überwiegend regionaler Natur gewesen, nun stünden globale Zusammenschlüsse auf der Tagesordnung.

„Wir bleiben umringt von einer hochgradig konzentrierten Rohstoff-Industrie und zugleich von einem hochgradig konzentrierten Markt auf der Nachfrageseite,“ begründete Dolle den Ruf nach Fusionen. „Wir müssen weiter restrukturieren, wenn wir überleben wollen“, sagte Baan. Stahlfusionen seien vor allem in China und in Indien zu erwarten. In China gebe es allein mehr als 200 Stahlerzeuger. „China ist reif für die Konsolidierung“, sagte er. Erst im Januar hatte Mittal 37,2 Prozent an Chinas achtgrößtem Stahlhersteller Hunan Valin Steel gekauft.

Im Oktober hatte Mittal den US-Stahlkonzern International Steel Group übernommen und war damit zur Nummer eins der Branche aufgerückt. Mittal strebe langfristig ein jährliches Produktionsvolumen von rund 100 Millionen Tonnen an, sagte Baan. 2004 kam der Konzern auf 57,3 Millionen Tonnen, 2005 peilt er 62 Millionen Tonnen an. Mittal hat damit einen Anteil von sechns Prozent an der weltweiten Stahlproduktion, die 2004 bei gut einer Milliarde Tonne lag. Die zehn größten Stahlhersteller zusammen kommen auf rund 27 Prozent, die Konzentration ist damit deutlich geringer als in anderen Branchen.

Verband erwartet Abflachung des Booms in Deutschland

Der deutsche Stahlverband erwartet 2005 eine Abflachung des Stahlbooms auf dem heimischen Markt. Die Produktionsmenge werde voraussichtlich um 1,5 Prozent zulegen auf rund 47 Millionen Tonnen nach einem Plus von 4,5 Prozent im Vorjahr, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling. Die weltweite Rohstoffknappheit für die Stahlerzeuger werde aber auch 2005 anhalten. „Wir rechnen auch 2005 mit einer lebhaften Stahlkonjunktur.“

Für 2005 sei mit einem Anstieg der Weltstahlerzeugung von rund 4,7 Prozent auf 1,11 Milliarden Tonnen zu rechnen, sagte Ameling. Grund sei die weiter anhaltende Stahlnachfrage vor allem in China.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%