Rohstoffkonzern CRVD: Die Aufkäufer aus Brasilien

Rohstoffkonzern CRVD
Die Aufkäufer aus Brasilien

Von Null auf Hundert in fünf Jahren – so könnte man die Entwicklung des brasilianischen Rohstoffkonzerns CRVD in kurzen Worten beschreiben. Denn in dieser Zeit hat sich der ehemals reine Eisenerzproduzent zum zweitgrößten Bergbaukonzern weltweit aufgeschwungen. Teil 9 der Handelsblatt-Serie über die neuen Weltkonzerne.

SÃO PAULO. Offiziell war Tony Trahar vor fünf Jahren für den Abschluss eines Joint Ventures nach Rio de Janeiro zum brasilianischen Erzkonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) gereist. Doch der Chef von Anglo American, des damals drittgrößten Bergbaukonzerns der Welt, hat Größeres im Sinn: Er schlägt dem CVRD-Präsidenten Roger Agnelli die Fusion beider Konzerne zur weltgrößten Bergbaugesellschaft vor.

Der Plan ist durchaus attraktiv, doch Agnelli lehnt dankend ab. „Herr Trahar, Anglo ist zu groß für eine Fusion. Sie würden uns einfach schlucken. Vielleicht können wir in vier, fünf Jahren auf Augenhöhe über eine Zusammenarbeit reden“, sagt der CVRD-Chef dem Gast aus Südafrika. Dem müssen Agnellis Worte leicht größenwahnsinnig erschienen sein, denn die Offerte zu fusionieren, ist aus seiner Sicht durchaus ein großzügiges Angebot. Der Gold- und Diamantenkonzern mit dem großen Namen spielt schließlich in einer höheren Liga als der kaum bekannte Eisenerzproduzent aus Brasilien; Anglo ist damals, gemessen am Börsenwert, etwa viermal so groß wie CVRD.

Heute, fünf Jahre später, ist genau das eingetreten, was der Brasilianer prophezeit hat: CVRD ist nach einer gewaltigen Akquisitions- und Investitionstour an der Börse mehr wert als Anglo; bei Umsatz und Gewinn haben die Brasilianer den Konkurrenten weit hinter sich gelassen. Nur der Bergbauriese BHP Billiton ist noch größer als CVRD.

Trotzdem wusste bis zum August des vergangenen Jahres kaum jemand etwas mit dem Namen „Rio Doce“ – süßer Fluss – anzufangen. Doch die Analysten an der Wall Street mussten spätestens da Notiz von dem Giganten aus Südamerika nehmen, denn Agnelli schaltete sich in das Bietergefecht um den kanadischen Nickelproduzenten Inco ein – und ging als Sieger daraus hervor. 18 Mrd. Dollar in bar zahlten die Brasilianer.

Angesichts der Geschwindigkeit, mit der sich der Konzern seit seiner Privatisierung vor zehn Jahren gewandelt hat, haben nur Experten den Überblick behalten können. 1997 erwirtschaftete die „Vale“, wie das Unternehmen in Brasilien genannt wird, Gewinn, war aber ein konturloser Staatskonzern. Der über Jahrzehnte gewachsene Koloss produzierte neben Eisenerz und einem Dutzend anderer Metalle Zellulose, Papier, Stahl und Aluminium, baute Schiffe, besaß Werften und betrieb das größte Schienennetz Südamerikas. Im Zweiten Weltkrieg hatten die USA den Konzern mit Krediten und Bergbautechnologie bei der Gründung unterstützt, um die Erz- und Stahlversorgung ihrer Rüstungsindustrie langfristig zu sichern. Seit den sechziger Jahren war CVRD zum wichtigsten Zulieferer der japanischen Stahlindustrie geworden. In den siebziger Jahren investierte der Konzern dann unter der Militärregierung in alles, was die Generäle in der Hauptstadt Brasília strategisch interessant fanden – also alles, was sich aus Brasiliens Böden herausholen ließ und nicht Landwirtschaft war.

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