Rohstoffkonzerne: Schürfen im Akkord

Rohstoffkonzerne
Schürfen im Akkord

Goldrausch in den USA: Die Mine „Cortez“ in Nevada ist hochprofitabel. Und doch gibt sie ihrem Eigner Barrick genug Anlass zur Sorge. Denn es mangelt an vielem: Arbeiter, Baumaschinen, Wohnungen.
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CortezDer Mann sieht aus, als wollte er gleich durchs Feuer gehen. Ein goldenes Visier verdeckt sein Gesicht. Darunter trägt er eine Atemmaske. Sein Körper ist mit einem langen, feuerfesten Mantel aus Aluminium geschützt – Sicherheit geht vor. Dabei läuft der spektakuläre Prozess fast automatisch ab: Per Knopfdruck lässt er den schweren Deckel zur Seite gleiten. Dann neigt sich der Kessel und die 1000 Grad heiße, gelbe Flüssigkeit fließt langsam in die rechteckigen Eisenformen, die vor dem Kessel aufgebaut sind.

Es ist ein guter Tag in der Goldmine „Cortez“ im Norden des US-Bundesstaats Nevada. Zehn Barren hat der Guss ergeben – das ist etwas mehr als üblich. Die frisch gegossenen Barren haben in diesem Moment einen Marktwert von jeweils rund 1,5 Millionen Dollar – doch der Goldpreis ist für seine starken Schwankungen bekannt. Verteuert sich die Feinunze Gold (31,1 Gramm) um 30 Dollar, macht das einen Barren gleich 25.000 Dollar wertvoller.

Seit drei Jahren herrscht in Cortez Hochbetrieb. Die Mine gehört dem weltgrößten Goldproduzenten Barrick Gold, dessen Geschäfte so gut laufen wie noch nie. Die Angst vor einer neuen Rezession hat Anleger im vergangenen Jahr zum Goldkauf getrieben. Für den kanadischen Konzern bedeutet das Quartal für Quartal neue Rekordgewinne. Und Cortez spielt dabei eine zentrale Rolle. „Das ist zurzeit die beste Goldmine der Welt“, schwärmt Barrick-Chef Aaron Regent im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Das Erz, aus dem in einem aufwendigen Verfahren Gold entsteht, lässt sich in Nevada besonders leicht abbauen, sowohl über als auch unter Tage. Deshalb ist die Goldproduktion in Cortez günstig. Die Cashkosten, ein gängiges Vergleichsmaß unter den Goldförderern, liegen bei 233 Dollar je Unze. Über alle Minen betrachtet, kostet es Barrick konzernweit rund 450 Dollar, um eine Unze Gold zu fördern. Der Branchendurchschnitt liegt bei rund 700 Dollar. Dank Cortez und des hohen Goldpreises sind die Margen bei Barrick nach oben geschossen: um 80 Prozent allein in den letzten zwölf Monaten.

Erz ist in Nevada zudem reichlich vorhanden. Cortez ist eine von nur fünf Minen auf der Welt, die mehr als eine Million Unzen Gold pro Jahr produzieren. Das entspricht 18 Prozent von Barricks Jahresproduktion. Und die Vorräte werden noch lange anhalten: Im September teilte Barrick mit, dass die konzerneigenen Goldsucher zwei riesige neue Vorkommen entdeckt haben, direkt neben den bisherigen Abbaufeldern.

Die Welt über Tage sieht aus, als sei sie für Riesen gemacht. Die Fläche, von der Gesteinsschichten stufenweise abgetragen werden, ist so groß wie 75 Fußballfelder. Und das ist nur eines von fünf Abbaugebieten in Cortez. Pausenlos rollen überdimensionale Kipplader in die Schotterwelt. Allein die Reifen der Monstermaschinen sind so hoch wie zwei erwachsene Männer. Das ganze Gefährt hat eine Höhe von acht Metern und kann mit seinen 3700 PS 400 Tonnen Erde auf einmal transportieren. 24 solcher Monstermaschinen sind jeden Tag im Einsatz. Rund um die Uhr lassen sie sich von noch viel größeren Baggern mit Erz beladen und rollen dann wieder hinaus, um die wertvolle Erde zur Weiterverarbeitung auf ein Fließband zu laden.

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