Rohstoffkonzerne
Stahlindustrie im Schwitzkasten

Die Stahlhersteller erwarten in diesem Jahr eine Kostenexplosion. Ab April steigen die Preise für den wichtigen Rohstoff Eisenerz um 65 Prozent; Investmentbanken prognostizieren auch einen starken Anstieg der Preise für Kokskohle. Die Renditen der Rohstoffkonzerne geraten unter Druck - Unternehmen wollen die steigenden Kosten an ihre Kunden weitergeben.

DÜSSELDORF. Stahlaktien gehörten gestern zu den Gewinnern an den Börsen. Der Kurs des Weltmarktführers Arcelor -Mittal legte um ein halbes Prozent zu, Thyssen -Krupp verteuerte sich um fast vier Prozent, Salzgitter verbuchte ein Plus von knapp drei Prozent. Eine überraschende Reaktion der Anleger. Denn die Unternehmen müssen in den nächsten Wochen einen drastischen Kostenanstieg verkraften, der auf die Gewinnmargen drückt. Ab April steigen die Preise für den wichtigen Rohstoff Eisenerz um 65 Prozent. Darauf hat sich gestern der weltgrößte Erzkonzern Vale in einem für die gesamte Branche richtungweisenden Pilotabschluss mit asiatischen Stahlherstellern geeinigt.

"Die Unternehmen sehen gute Chancen, die steigenden Kosten für den Erzeinkauf an ihre Kunden weiterzugeben", erklärte BHF-Bank -Analyst Hermann Reith die Kursgewinne der deutschen Stahlhersteller. Tatsächlich hat sich das sonstige Marktumfeld verbessert. Der Importdruck aus China hat nachgelassen, die Lagerbestände bei den Kunden sind weitgehend geräumt, und der Auftragseingang hat sich belebt. Wichtige Kunden aus dem Bereich Automobilindustrie und Maschinenbau spüren noch keine negativen Auswirkungen der internationalen Finanzkrise.

Allerdings steht den Stahlherstellern ein weiterer Kostenschub bevor: Auch die Preise für Kokskohle ziehen weltweit stark an und dürften sich im Vergleich zum Vorjahr um mindestens 60 Prozent verteuern, prognostizieren Investmentbanken. Unter dem Strich dürften die Produktionskosten der Stahlhersteller in Europa um knapp 60 Euro pro Tonne des Referenzprodukts Warmband im Vergleich zum Vorjahr ansteigen, prognostiziert BHF-Bank -Experte Reith. Die Europäer sind von der Verteuerung der Rohstoffpreise weniger betroffen als ihre Konkurrenten in Asien und Amerika, weil der starke Euro einen Teil des Kostenschubs auffängt.

Um ihre aktuellen Gewinnmargen stabil zu halten, müssen die Stahlhersteller ihre Verkaufspreise kräftig erhöhen. So kündigte der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen -Krupp Preiserhöhungen um bis zu 100 Euro pro Tonne für verschiedene Stahlprodukte an. Branchenprimus Arcelor -Mittal hatte bereits vor Wochen seinen Kunden mitgeteilt, die Preise ab April um bis zu 60 Euro pro Tonne Warmband anzuheben. Außerdem behielt sich der Weltmarktführer eine weitere Anhebung im Verlauf des zweiten Quartals vor. Ein Sprecher des Luxemburger Konzerns wollte sich gestern aber nicht zu dem Pilotabschluss in Asien äußern.

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