Rohstoffkonzerne wahren dank steigender Preise ihre Vormacht
Undurchsichtige Geschäfte

Russlands Wirtschaft wird auch zehn Jahre nach dem Beginn der Reformen weiter von der Rohstoffindustrie dominiert. Zwei Drittel der 400 größten Unternehmen des Landes sind Industrie- und Rohstoffkonglomerate, sie erlösen drei Viertel der Umsätze zwischen Kaliningrad und Wladiwostok.

MOSKAU. Ihre Umsätze und Gewinne wuchsen im vergangenen Jahr meist schneller als die anderer Branchen. Das liegt vor allem an den steigenden Rohstoffpreisen. Seit Jahresbeginn zog allein der Preis für ein Barrel (159 Liter) der russischen Ölmarke Urals um 59 Prozent an.

Die Ölindustrie macht nach einer Studie der Weltbank noch immer 25,2 Prozent des russischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Unter den 20 größten Firmen Russlands sind sieben Ölförderer (siehe Tabelle). Titan des Landes bleibt der weltgrößte Erdgasförderer Gazprom, der durch die Übernahme des staatlichen Konzerns Rosneft in den Erdölsektor expandiert und die auch in der Strom-Branche zukauft.

„Der relative Anteil der Rohstoffwirtschaft am BIP ändert sich nicht“, klagte Russlands Wirtschaftsminister German Gref jüngst in der „Zeit“. Zudem monierte er – ebenso wie viele Investoren –, dass der russische Staat seinen Einfluss vor allem auf die Öl- und Gasindustrie stark ausweitet, und forderte ein schärferes Kartellrecht, „damit Monstren wie Gazprom oder der Stromriese UES Spielraum für andere lassen“.

Als einzige nicht dem Rohstoffsektor zuzurechnende Unternehmen konnten in der Rangliste der größten Unternehmen nur die staatliche Eisenbahngesellschaft RSchD (Platz 2), die mehrheitlich staatlich kontrollierte Großbank Sberbank (8), der Telekom-Gigant Swjasinvest (12), der Autokonzern Avtovaz (13), der Mischkonzern AFK Sistema (15) und der staatliche Ölpipeline-Monopolist Transneft (16) vordere Plätze einnehmen.

Eine weitere Schieflage der russischen Wirtschaft lässt sich aus dem Rating der 400 größten Unternehmen ablesen: Während das BIP im vorigen Jahr um sieben Prozent stieg, konnten die 400 größten Firmen ihre Umsatzerlöse um 25,8 Prozent steigern. Das heißt, Mittelstand und Kleinunternehmer sind noch kein ausreichender Wachstumsmotor. Während in Russland kleine und mittlere Firmen gerade einmal 13 Prozent zum BIP beitragen, sind es in den USA 51, in Deutschland gar 56 Prozent.

Seite 1:

Undurchsichtige Geschäfte

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%