Rohstoffpreis-Explosion
Deutsche Stahlbranche kämpft gemeinsam

Die Rohstoffkosten explodieren. Dagegen will die deutsche Stahlbranche was tun: Die Unternehmen könnte dagegen mit einer gemeinsamen Einkaufsgesellschaft vorgehen.
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HB DÜSSELDORF/BERLIN. "Das Interesse ist da", sagte Thyssen-Krupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag am Rande eines Branchentreffens in Düsseldorf. Es sei an eine börsennotierte Gesellschaft gedacht, an der sein Konzern eine Minderheitsbeteiligung erwerben könne. Auch weitere Stahlfirmen spielten mit dem Gedanken, sich einzubringen. Schulz sprach sich für eine vorübergehende Beteiligung des Bundes an der "Rohstoff AG" aus, stieß damit aber in Berliner Regierungskreisen auf Ablehnung.

Zu den Aufgaben könnte neben dem gemeinsamen Einkauf die Erschließung von Rohstoffquellen und Schürfrechten gehören.

Dabei müssten natürlich Kartellfragen geklärt werden, sagte der Manager. Mit der "Rohstoff AG" beschäftige sich derzeit ein Arbeitskreis auf Initiative der Bundesregierung zusammen mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Die Gesellschaft könnte auch auf weitere Branchen ausgedehnt werden. "Alle Massenrohstoffe könnten sich daran beteiligen", sagte Schulz. In Frage kämen die Aluminium-, Kupfer-, Blei- und Zinkindustrie.

Die Rohstoffmärkte werden von mächtigen Firmen dominiert. Der Eisenerzmarkt wird beipielsweise von drei Unternehmen kontrolliert: Rio Tinto und BHP Billiton aus Australien und Vale aus Brasilien. Die Konzerne haben bei der Stahlindustrie drastische Preiserhöhungen durchgesetzt.

Stahlkocher wie Thyssen-Krupp oder der deutsche Branchenzweite Salzgitter verfügen über keine eigenen Erzminen. Salzgitter lehnte eine Stellungnahme zu den Plänen ab.

"Es gibt einen Sack von Problemen, die man lösen muss, aber ich halte das für den richtigen Weg", sagte Schulz. ThyssenKrupp könne sich über seinen Rohstoffbereich an der neuen Gesellschaft beteiligen. "Man könnte überlegen, diesen Rohstoffbereich als Sacheinlage in das Unternehmen einzubringen." Aus der Bewertung ergebe sich dann die Höhe der Beteiligung. ThyssenKrupp habe aber nur einen Minderheitsanteil im Blick. "Wenn man an die Börse gehen will, dauert das sicher ein Jahr", beschrieb er den Zeithorizont. Die öffentliche Hand könne sich vorübergehend mit einer Minderheitsbeteiligung engagieren.

In Regierungskreisen in Berlin hieß es, dass eine Beteiligung des Bundes nicht in Frage komme. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hatte kürzlich gesagt, "einen VEB Rohstoff wird es mit mir nicht geben". Unterstützung könne es aber durch Investitionsgarantien für Beteiligungen geben, verlautete aus Regierungskreisen.

Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal äußerte sich zurückhaltend. Das Unternehmen wolle sich zwar gern über die Pläne informieren, sagte Vorstandsmitglied Michel Wurth am Rande der Konferenz in Düsseldorf. Er fügte jedoch hinzu: "Wir haben eine eigene Rohstoffsparte, die relativ stark ist." Es sei offen, ob sich etwa die deutschen Standorte des Konzerns einbringen würden. "Es ist viel zu früh, über eine Beteiligung zu sprechen." Anders als ThyssenKrupp verfügt ArcelorMittal über eigenen Minen. Der Weltmarktführer will seine Rohstoffproduktion in den kommenden Jahren mit Milliardeninvestitionen ausbauen, um weitgehend autark zu sein.

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