Rohstoffpreise
Biosprit ist nur der Sündenbock

Weltweites Bevölkerungswachstum, Lebensmittelkonsum, wachsende Einkommen: Darin sind die Gründe für das hohe Preisniveau der Nahrungsmittelindustrie zu finden. Immer wieder heißt es auch, Biokraftstoffe träten zunehmend in Konkurrenz zur Ernährungsindustrie. Was Experten dazu sagen.

BERLIN. Das Preisniveau für viele Rohstoffe der Nahrungsmittelindustrie wird dauerhaft hoch bleiben. Auch nach einer zu erwartenden Abschwächung der derzeitigen Preisexplosion auf den Agrarmärkten würden viele Rohstoffe „etwa zwanzig bis dreißig Prozent“ teurer bleiben als im Vorjahr, sagte Stefan Tangermann, OECD-Direktor für Landwirtschaft und Ernährung, auf einem Rohstoff-Kongress der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Einige Ursachen für die dramatische Preisentwicklung seien allerdings kurzfristiger Natur. So hätten beispielsweise extreme Witterungsbedingungen zu Ernteausfällen bei Getreide geführt. Auch die zeitweisen Produktionsrückgänge in wichtigen Milchexportländern hätten wahrscheinlich keine langfristigen Auswirkungen.

Von erheblicher Bedeutung seien hingegen die langfristigen Effekte, die die steigende Nachfrage nach verarbeiteten Produkten in Schwellenländern wie Brasilien und China auslöse.

Auch Klaus-Dieter Schumacher, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung des Agrarhandelsunternehmens Toepfer International, ist überzeugt, dass die Hauptursache für ein höheres Preisniveau „jeweils zu fünfzig Prozent die weltweit steigenden Einkommen sowie das weltweite Bevölkerungswachstum“ sei. Die Rolle der Biokraftstoffe, die zunehmend in Konkurrenz zur Ernährungsindustrie träten, sei hingegen begrenzt. Von der weltweiten Getreideernte von zwei Mrd. Tonnen würden im Jahr 2007 nur 108 Mill. Tonnen für die Herstellung von Bio-Ethanol oder Bio-Diesel verwendet.

Noch würde sich die Produktion von Bioenergie in den meisten Fällen nicht lohnen, ist auch OECD-Direktor Tangermann überzeugt. Nach den Berechnungen seiner Organisation sei bei einem Erdölpreis von 90 Dollar pro Barrel allein die Bio-Ethanol-Herstellung in Brasilien rentabel. Nicht-subventionierter Bio-Diesel wäre erst bei einem Öl-Preis von 120 Dollar pro Barrel und Bio-Ethanol aus Weizen sogar erst bei 140 Dollar pro Barrel wettbewerbsfähig, behauptet der OECD-Experte. Auch der Agrarhändler Toepfer International ist bei steigender Konkurrenz von Bioenergie und Ernährung der Meinung, dass die Nahrungsmittelindustrie auf jeden Fall den Vorrang bei der Versorgung mit Rohstoffen habe.

Nach Ansicht von Toepfer-Abteilungsleiter Schumacher werden im Jahr 2008 weltweit „sehr gute Ernten notwendig sein“, um die Lage auf den Agrarmärkten wieder zu beruhigen.

Doch die Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle für Erzeugnisse der Landwirtschaft (ZMP), die Marktforschungsgesellschaft der Landwirte, spürt auf einigen Märkten wie bei Trinkmilch, Milchpulver oder auch Butter schon jetzt wieder Entspannung.

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