Nickel-Werk in Norilsk

Nickel findet sich nicht nur in Geldmünzen, sondern in unzähligen Metalllegierungen wieder, da es als Rostschutz dient.

(Foto: Reuters)

Rohstoffprojekt in Norilsk Zwei Oligarchen schließen milliardenschweren Platin-Pakt

Die Oligarchen Potanin und Baschajew beenden ihre Rohstoff-Fehde. Gemeinsam wollen sie in der Arktis den größten Platinschatz der Welt heben.
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MoskauEisige Partnerschaft: Ausgerechnet im Krasnojarsker Eishockeystadion namens „Platin“ – und im Beisein von Russlands Präsident Wladimir Putin – haben die beiden Oligarchen Wladimir Potanin und Musa Baschajew einen Schlussstrich unter ihre jahrelange Fehde um die Schürfrechte an Platinlagerstätten der russischen Arktis gezogen. Stattdessen wollen die beiden nun mit einem Joint-Venture, das bis Jahresende entstehen soll, gemeinsam die weltweit größten Platinvorräte erschließen.

Konkret geht es um die Zusammenarbeit in drei nebeneinander liegenden Lagerstätten in der Tundra: Maslowskoje, Tschernogorskoje und Norilsk-1. Potanins Konzern Norilsk Nickel bringt die Schürflizenz für Maslowskoje in die Partnerschaft ein, Baschajews Russian Platinum die beiden anderen Felder. Alle drei Lagerstätten liegen im Kreis Norilsk südlich der arktisch-sibirischen Halbinsel Taimyr.

Die Gesamtvorräte an Metallen der Platingruppe belaufen sich dort nach Schätzungen der Konzerne auf 4300 Tonnen Metalle der Platin-Gruppe und 6,3 Millionen Tonnen Nickel. Die Förderung könne sich damit auf etwa drei Millionen Unzen platinähnlicher Metalle und 50.000 Tonnen Nickel pro Jahr belaufen, schätzt der Konzern. Zum Vergleich: Nornickel hat bisher gerade mal ein Viertel dieser Menge gefördert, bei Russian Platinum waren es sogar weniger als ein Sechzigstel.

Zu den Platinmetallen gehören neben Platin selbst unter anderem auch die für die Industrie wichtigen Metalle Palladium, Rhodium und Iridium, die im Fahrzeug- und Maschinenbau, aber auch in der Medizintechnik gefragt sind. Nickel wiederum findet sich nicht nur in Geldmünzen, sondern in unzähligen Metalllegierungen wieder, da es als Rostschutz dient.

Die Erschließung würde einen gewaltigen Förderschub bedeuten. Allerdings sind nicht nur die Aussichten, sondern auch die Ausgaben gewaltig: Potanin selbst schätzt die Investitionen auf umgerechnet knapp vier Milliarden Euro.

Russian Platium hatte erst vor einigen Monaten sogar noch höhere Berechnungen abgegeben: Demnach hätte den Konzern allein die Ausbeutung der eigenen zwei Lagerstätten 6,2 Milliarden Dollar gekostet. Doch nun kann Baschajew auf die Infrastruktur des einstigen Konkurrenten zurückgreifen.

Dabei haben sich die beiden Konzern bisher fast sechs Jahre lang einen erbitterten Machtkampf um Norilsk-1 geliefert. Die russische Bodenschatzbehörde hatte 2012 die Rechte an dem Feld Russian Platinum zugesprochen. Der Konzern Norilsk Nickel, der bis dato in der Region das Monopol hatten, kämpfte vergebens vor sämtlichen Gerichten gegen die Entscheidung an. Baschajew wiederum klagte über die Diskriminierung beim Zugang zur Infrastruktur. Die Erschließung der Lagerstätte zog und zog sich.

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Nun haben die Konkurrenten offenbar eingesehen, dass es gemeinsam besser geht als gegeneinander. Es sei eine „Win-win-Situation“, sagte Wladimir Potanin nach der Unterzeichnung des Deals.

Der 57-jährige Oligarch ist laut Forbes mit einem Vermögen von 14,3 Milliarden Dollar die Nummer acht unter Russlands Superreichen. Neben seinen Investmentaktivitäten hält er über seine Investmentfirma Interros auch Anteile an Medienunternehmen, Immobilien und Infrastrukturobjekten.

Was gut für das Geschäft ist, birgt Risiken für die Umwelt: Während Taimyr von Menschenhand noch weitgehend unberührt ist und als Rückzugsgebiet für Eisbären und Walrösser gilt, ist Norilsk – in den 30er Jahren von Gulag-Arbeitern gegründet – wegen der reichen Bodenschätze inzwischen zur nördlichsten Großstadt der Welt herangewachsen. Mit der Industrie kamen aber auch Umweltprobleme: Norilsk gilt seit Jahren als eine der am meisten verschmutzten Städte weltweit.

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