Rohstoffsektor
Russland formt neuen Tankerkonzern

Der russische Präsident Wladimir Putin hat per Dekret die Gründung einer staatlichen Schiff-Holding angeschoben. Damit baut Russland die Kontrolle über den Rohstoffsektor weiter aus.

tom/HB MOSKAU. Mit der staatlichen Schiff-Holding schließen sich die beiden größten Flottenbetreiber des Landes, Novoship und Sovcomflot, zusammen. Der neue Konzern wird über eine Flotte von über 100 Schiffen verfügen, darunter 76 Tanker und damit zu den fünf größten Betreibern von Tankschiffen in der Welt gehören.

Wie hoch der Staatsanteil am Konzern, der unter dem Namen von Sovcomflot arbeiten soll, endgültig sein wird, wurde nicht bekannt. Die Regierung stuft das Unternehmen aber als „strategisch“ ein, was die Möglichkeiten für den Einstieg eines ausländischen Investors einschränkt. Sovcomflot-Chef Sergej Frank, ein ehemaliger Minister für Transportwesen, schloss einen späteren Börsengang des neuen Konzerns nicht aus. Das gemeinsame Anlagevermögen schätzt er auf fünf Mrd. Dollar.

Die Gründung des Tanker-Konzerns hatte sich wegen eines Streits innerhalb der Regierung verzögert: Novoship hat seinen Sitz in der südrussischen Region Krasnodar, die angeblich den Ausfall von Steuereinnahmen für den Regionalhaushalt nach der Fusion fürchtete.

Die Vereinigung der beiden Unternehmen erfolgt vor dem Hintergrund der Kreml-Linie, die Kontrolle über den Rohstoffsektor im Land auszubauen und die zum Teil maroden Reste sowjetischer Industrie unter dem Dach von staatlichen Holdings zusammenzufassen und wettbewerbsfähig zu machen.

Sovcomflot hat bereits ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem ebenfalls staatlichen Ölkonzern Rosneft gegründet, der seine Aktivitäten in der Ölförderung vor den russischen Küsten ausbauen will. Die Fusion zum neuen Tanker-Konzern erfolgt auch vor dem Hintergrund von Gerüchten, dass der Kreml die Rechte für Ölförderung vor der Küste („offshore“) zwischen den beiden Energiekonzernen Rosneft und Gazprom aufteilen will und somit auch die Investitionschancen für ausländische Ölkonzerne weiter begrenzt. Doch auch so dürfte der neue Konzern profitabel laufen: Dank der weltweit gestiegenen Nachfrage nach Öl und entsprechenden Transportkapazitäten sind in den vergangenen Jahren die Charterraten für Tankschiffe rasant gestiegen.

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