Rolls-Royce
Stille Panik in Mittel-England

Einige Experten sehen Rolls-Royce nach den Treibwerkproblemen beim A380 vor ähnlichen Problemen wie den Ölmulti BP. Beim Zulieferer sieht man die Situation etwas gelassener - oft genug schon haben die Menschen im mittel-englischen Derby um Rolls-Royce gebangt, und stets ist es gutgegangen.
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DERBY. Langsam, ganz langsam tropft das Öl aus dem Triebwerk auf den Boden. Das silbrig glänzende Ungetüm steht in einem viel zu kleinen, grell beleuchteten Raum im Industriemuseum der mittelenglischen Stadt Derby. Etwas abseits und für Besucher nicht ganz einfach zu finden: eine Flugzeugturbine vom Typ RB211. "Made in England" by Rolls-Royce.

Ein Plastiktablett fängt das Öl auf. Große, leicht verstaubte Erklärtafeln an den Wänden erinnern an die glorreichen Zeiten, als RB211 im Einsatz war: als das Triebwerk Anfang der 70er-Jahre in einem Lockheed-Flugzeug um die Welt düste.

Es war eines der ersten Triebwerke einer ganz neuen Gattung. "Trent" nennt Rolls-Royce heute die Modelle, die auf dieser Technologie basieren. Sie bereiten dem Konzern derzeit massive Schwierigkeiten, lassen den Aktienkurs einbrechen und am Ruf zweifeln. Denn einige Trent-Triebwerke, die die australische Fluggesellschaft Qantas im Einsatz hat, verlieren Öl - so ähnlich wie das Museumsstück von 1971. Seitdem eine Qantas-Maschine, ein Airbus A380, am Donnerstag vergangener Woche wegen Problemen mit einem Trent-Motor hat notlanden müssen, läuft das Krisenmanagement auf Hochtouren.

Manche Experten sehen Rolls-Royce vor ähnlichen Problemen wie den Ölmulti BP. Joe Lampel, Professor an der Cass Business School in London, war der Erste, der diese Parallele zog - die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko brachte BP vor wenigen Monaten in eine existenzbedrohende Krise. Solche Vergleiche will in Derby, der 230 000-Einwohner-Stadt zwei Stunden nördlich von London, niemand hören. Hier werden die Trent-Antriebe hergestellt. Hier sind die Menschen stolz auf den Konzern. 1904 ist er entstanden, als sich der Ingenieur Henry Royce und der Kaufmann Charles Rolls zusammentaten. Sie bauten Luxuskarossen und Flugzeugmotoren. Bis heute ist Rolls-Royce ein Vorzeigeunternehmen; Teil eines industriellen Kerns, der noch immer in England produzieren lässt. Ein Konzern, der mit höchster Präzision und den anspruchsvollsten aller Qualitätsstandards arbeitet; der sich gegen den Niedergang der Ingenieurkunst im Mutterland der Industriellen Revolution stemmt.

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  • Rolls-Royce macht wohl die gleichen Fehler, wie so viele Unternehmen die letzten Jahre, indem man die Qualität nicht mehr an erster Stelle sieht, sondern erst nachrangig nach Umsatz, Profit und Time2Market dies nur als einen Kostenfaktor betrachtet...

    "Quality by Design" ist übrigens immer noch deutlich preiswerter als das "Quality by Testing afterwards". Und das auch noch um Größenordnungen! ;-)

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