Rosenthal-Eigner: Porzellan-Imperium wird zerschlagen

Rosenthal-Eigner
Porzellan-Imperium wird zerschlagen

Nach der Pleite des irischen Mutterkonzerns Waterford Wedgwood setzt die schwer angeschlagene deutsche Porzellan-Manufaktur Rosenthal alle Hoffnungen auf einen raschen Verkauf an einen neuen Eigentümer. Die Gespräche mit einem Investor seien, so Rosenthal nach Bekanntwerden der Hiobsbotschaft, in einem fortgeschrittenen Zustand.

LONDON | MÜNCHEN. Der Vorstand von Rosenthal werde umgehend mit dem Insolvenzverwalter Kontakt aufnehmen „mit dem Ziel die Weiterführung von Rosenthal sicherzustellen“. Zumindest die kommenden Wochen kann das deutsche Traditionsunternehmen nach Handelsblatt-Informationen den Betrieb in jedem Fall weiterführen. Bis dahin soll der Verkauf an den Investor trotz der Insolvenz der irischen Mutter abgeschlossen sein.

Der irische Kristall- und Porzellanwarenkonzern Waterford Wedgwood ging am Montag nach fünf Verlustjahren und monatelanger vergeblicher Investoren-Suche in die Insolvenz. Betroffen sind nach Angaben der Verwalter zunächst nur die Unternehmensteile in Irland und Großbritannien.

Zwar ist Rosenthal von der Pleite formal unberührt, die Sorgen um die Zukunft sind jedoch groß. „Der Freistaat Bayern wird alle verfügbaren Maßnahmen ergreifen, damit es bei Rosenthal weiter geht“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) dem Handelsblatt. Die Staatsregierung sei in Kontakt mit der Geschäftsleitung, „um für das Unternehmen einen neuen Investor zu finden und ein Finanzierungskonzept zu erstellen“.

Waterford Wedgwood gehört mehrheitlich dem prominenten irischen Unternehmer Anthony O'Reilly und seinem Schwager Peter Goulandris. Sie haben den Konzern in den vergangenen Jahren mit Kapitalspritzen von insgesamt 400 Mio. Euro über Wasser gehalten. Doch ihre Manager konnten den Verfall der Nachfrage nach kostspieligen Kristallgläsern und Porzellanservices nicht aufhalten.

Rosenthal mit seinen noch rund 1600 Mitarbeitern gehört seit 1997 zu dem irischen Konzern und ist selbst schwer in Nöten. Eine Kapitalerhöhung im September schlug fehl. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 sank der Umsatz erneut um fast sechs Prozent auf 71 Mio. Euro, der operative Verlust liegt bei 7,1 Mio. Euro. Auch aktuell läuft das Geschäft laut Branchenkreisen schlecht. „Es ist eine schwierige Phase. Luxusgüter sind derzeit einfach weniger gefragt.“

Die seit Jahren aufgelaufenen Verluste haben das Eigenkapital vollständig aufgezehrt, das Rosenthal mit Minus 1,2 Mio. Euro ausweist. Da die vorgeschaltete Rosenthal AG noch über 13,5 Mio. Euro positives Eigenkapital verfügt, steht die Insolvenz nicht unmittelbar bevor. Eine Lösung muss aber bald gefunden werden. Die Geschäftsleitung zeigte sich zuversichtlich, dass der Verkauf durch die Involvenz der Mutter nicht gefährdet ist. „Ein Abschluss ist in kurzer Zeit möglich“, so Branchenkreise.

Im Herbst hatte auch die Suche nach neuen Investoren für die irische Gruppe selbst begonnen. Anfang Dezember spitzte sich die Lage zu, als der Konzern eine Zinszahlung auf eine Anleihe nicht mehr leisten konnte. Schon damals hätte das Bankenkonsortium unter Führung der Bank of America die Insolvenz auslösen können, doch es gewährte drei Fristverlängerungen, um die Gespräche mit einem Private-Equity-Haus fortzusetzen. Sie seien weit gediehen, hieß es zuletzt in Firmenkreisen. Wenn Waterford insolvent werde, könne das einen Abschluss erleichtern.

David Sculley, Vorstandschef der Gruppe, äußerte sich enttäuscht über die Insolvenz. „Wir bleiben aber optimistisch, dass in den fortlaufenden Gesprächen ein Käufer für das Geschäft gefunden wird“. Chairman O'Reilly sagte, das Management und der Verwaltungsrat hätten alles getan, um die Gruppe zu erhalten. Als Verwalter für die irischen Teile der Gruppe mit 800 Beschäftigten und für die britischen Töchter mit 1 900 Beschäftigten wurden Experten der Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte berufen. Weltweit arbeiten 7 700 Menschen für das Unternehmen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%