Rothaus, Pott’s und Augustiner behaupten sich gegenüber großen Braukonzernen
Heimattreue zahlt sich für kleine Brauhäuser aus

Gut geführte Regionalbrauereien nutzen im Wettbewerb mit den Großen der Branche weiterhin ihre Chancen. Denn trotz einer anhaltenden Fusionswelle auf dem deutschen Biermarkt ist das heimische Brauereigewerbe weiterhin von einer großen regionalen Vielfalt gekennzeichnet.

DÜSSELDORF. Auch wenn die 50 größten deutschen Brauereien inzwischen drei Viertel des gesamten Branchenumsatzes erzielen, ist die Zahl der deutschen Brauereien seit Jahren mit rund 1 200 Brauhäusern weitgehend stabil geblieben.

Auch die Rothaus-Brauerei hat ihre regionale Nische bisher erfolgreich verteidigt: So bekommt Norbert Nothhelfer manchmal Post aus dem Kosovo oder aus Afghanistan. Bundeswehrsoldaten schreiben dem Brauerei-Chef, wie sehr sie sich über ein Rothaus-Bier in der Fremde gefreut hätten. „Da habe ich gleich einen neuen Bierdeckel machen lassen“, sagt Nothhelfer. „Ein Schluck Schwarzwald“ steht auf den Pappen. Denn Bier braucht Heimat: In den vergangenen zehn Jahren hat die Schwarzwald-Brauerei Rothaus ihre Produktion auf 914 000 Hektoliter verdreifacht – während sich der Bierausstoß in Baden-Württemberg um ein Viertel verringerte. Der Rothaus-Umsatz wuchs in der selben Zeit um mehr als das Dreifache, auf 81 Mill. Euro im Jahr 2003. Die Netto-Umsatzrendite des vergangenen Jahres liegt bei 25 %. Über den Erfolg freut sich auch Ministerpräsident Erwin Teufel, denn die Badische Staatsbrauerei Rothaus AG gehört zu 100 % dem Land Baden- Württemberg und hat im vergangenen Jahr 17 Mill. Euro Dividende in die Staatskasse ausgeschüttet.

Für Nothhelfer ist der Erfolg nicht nur eine Folge hoher Produktqualität. „Zusätzlich muss das Bier Identifikationspotenzial bieten“, meint der Brauerei-Chef. „Wir haben die Marke Rothaus erfolgreich emotionalisiert.“ Das Logo – ein rotbäckiges Schwarzwaldmädel – symbolisiere die „Weltmarke Schwarzwald“. „Unsere ganze Strategie ist darauf angelegt, diese Sympathiewerte – gute Luft, klares Wasser, Erholung, Heimat – auf unser Bier zu übertragen.“

Und das fast ohne Werbung. Die Rothaus-Brauerei setzt fast ausschließlich auf Sponsoring-Maßnahmen in der Region. Dennoch wird Rothaus-Bier nicht nur in Baden- Württemberg getrunken. Auch in Hamburg, Köln, Berlin, Dresden und Leipzig greifen Kneipenbesucher, besonders junge Frauen, verstärkt zur Marke Rothaus. Die 0,33-Liter-Flaschen, „Tannenzäpfle“ genannt, sind in vielen Kneipen schon Kult.

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