Rückgang um ein Fünftel
Weltweite Stahlproduktion bricht ein

Die Stahlhersteller haben ihre Produktion im November nach einem Nachfrageeinbruch deutlich zurückgefahren. Kräftig bergab ging es mit knapp 40 Prozent in den USA, deren Stahlkonzerne von der Krise der Automobilindustrie besonders hart getroffen werden. Thyssen-Krupp hat für Februar flächendeckend Kurzarbeit angekündigt.

DÜSSELDORF. Im November seien 89 Millionen Tonnen Stahl geschmolzen worden, 19 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum, teilte der Weltstahlverband am Donnerstag in Brüssel mit.

Deutschlands Unternehmen senkten ihren Ausstoß im Einklang mit dem Weltmarkt auf 3,3 Millionen Tonnen. Marktführer Thyssen-Krupp und Salzgitter haben wieWeltmarktführer Arcelor-Mittal ihre Anlagen runtergefahren und ihre Mitarbeiter in verlängerte Werksferien geschickt. Nachdem die Arbeitzeitkonten nun ausgeschöpft sind, bereiten die Unternehmen Kurzarbeit vor. „Wir werden flächendeckend ab Februar Kurzarbeit haben“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp Steel dem Handelsblatt. Eine solche Vereinbarung sei mit dem Betriebsrat getroffen worden. In den kommenden Tagen soll geklärt werden, wie viele der insgesamt 20 000 Beschäftigten in Deutschland davon betroffen sein werden.

Mit einer schnellen Erholung des Marktes rechnet der Konzern offenbar nicht, denn die Kurzarbeit soll den Angaben zufolge bis Ende dieses Geschäftsjahres (30. September) gelten. Die Hütten werden also auch im neuen Jahr mit gedrosselter Leistung gefahren. Mit der Produktionskürzung wollen die Firmen einem weiteren Verfall der Stahlpreise vorbauen. Einige Kunden drängen bereits darauf, langfristige Verträge neu zu verhandeln. Toyota etwa soll eine Kürzung um 30 Prozent gefordert haben.

Die weltweite Stahlproduktion befindet sich seit der Jahresmitte im Rückwärtsgang, wobei sich die Dynamik in den beiden vergangenen Monaten verschärft hat. Der Grund dafür ist eine Zurückhaltung der Kunden, die ihr Geschäft durch die Eintrübung der globalen Konjunktur belastet sehen. Viele Stahlverarbeiter berichteten, dass die Bestellungen im Oktober innerhalb einer Woche eingebrochen sind. So verbuchten die Mitglieder des Maschinenbauverbands VDMA einen Einbruch bei den Neubestellungen von 19 Prozent, die Firmen brauchen daher deutlich weniger Stahl.

Um möglichen Abschreibungen auf den Bestand vorzubeugen, räumen die Firmen ihre Lager leer. Dem Schlussquartal 2008 wird daher wenig Aussagekraft über die weitere Auftragsentwicklung eingeräumt. Erst im Verlauf des kommenden Quartals werde man sehen, wie sich die Nachfrage entwickeln werde, hatte Thyssen-Chef Ekkehard Schulz kürzlich betont.

Derweil steigt die Angst vor zunehmenden Stahlexporten aus China. Der weltweit größte Produzent drosselte seine Herstellung um vergleichsweise geringe 12,4 Prozent. Einige Hersteller berichten, dass vermehrt chinesischer Stahl in Europa zum Verkauf angeboten werde. Ins Bild passt dazu, dass China Lieferungen ins Ausland künftig ohne Genehmigung zulassen will.

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