Rückkauf in Milliardenhöhe
Arcelor rüstet sich mit eigenen Aktien

Der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor will bis zu 150 Millionen seiner Aktien im Gesamtwert von rund fünf Milliarden Euro zurückkaufen und sich so vor einer feindlichen Übernahme durch den Konkurrenten Mittal Steel schützen.

HB BRÜSSEL. Konzernchef Guy Dolle sagte am Freitag während einer Telefonkonferenz, Arcelor wolle bis zu 150 Mill. seiner Aktien zurückkaufen. Am 19. Mai werde hierzu eine Hauptversammlung einberufen. Auch der unerwartet hohe Quartalsgewinn, den Arcelor am Freitag veröffentlichte, kommt Dolle in seiner Abwehrschlacht entgegen. Solide Geschäftszahlen seien die beste Verteidigung gegen eine Übernahme, betonte der CEO und fügte mit Blick auf Mittal hinzu: „Das Wirtschaftsmodell von Arcelor ist einfach viel besser.“ Mittal zeigte sich von dem Vorgehen unbeeindruckt und kündigte an, in der nächsten Woche ein offizielles Angebot für Arcelor abgeben zu wollen.

Arcelors Gewinn vor Zinsen, Steuern, Schulden und Abschreibung (Ebitda) belief sich nach den aktuellen Unternehmenszahlen in den ersten drei Monaten 2006 auf 1,427 Mrd. Euro. Er lag damit zwar rund 270 Mill. Euro unter dem Vergleichsquartal des Stahl-Boomjahres 2005, aber über den Erwartungen der Analysten von 1,33 Mrd. Euro. Der Umsatz stieg um 17,3 Prozent auf 9,565 Mrd. Euro. Für das zweite und dritte Quartal rechnet Dolle mit einem anziehenden Geschäft.

Der Übernahmekampf zwischen den beiden Stahlriesen, der nun seit Monaten andauert, hatte in den letzten Tagen an Schärfe gewonnen. Am Donnerstag erklärte Arcelor, in den USA Klage gegen Mittal wegen einer Patentrechts-Verletzung einzureichen. Mittal stellte unterdessen in Aussicht, den ins Gespräch gebrachten Kaufpreis von 20 Mrd. Euro für Arcelor noch einmal zu erhöhen. Am Freitag teilte der in New York und Amsterdam notierte Branchenprimus mit, das US-Justizministerium habe keine weiteren Unterlagen angefordert und damit keine Kartell-Bedenken gegen eine Fusion. Die EU-Kommission prüft noch bis zum 7. Juni, ob eine Übernahme wettbewerbsrechtlich möglich ist. Arcelor ging 2002 aus einem Zusammenschluss französischer, spanischer, belgischer und Luxemburger Stahlfirmen hervor und beschäftigt in den vier Ländern insgesamt 75 000 Mitarbeiter.

Auch der deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp verfolgt das Tauziehen mit Spannung. Mittal hatte für den Fall einer Übernahme angekündigt, die derzeit im Besitz von Arcelor befindliche kanadische Defasco an ThyssenKrupp verkaufen zu wollen. Arcelor hat inzwischen aber seinen Anteil an dem größten kanadischen Stahlkonzern in eine Stiftung nach niederländischem Recht ausgelagert, um die Pläne Mittals zu durchkreuzen.

Dolle zufolge hält Arcelor zudem nach neuen Partnern in der Stahlbranche Ausschau. Bis Ende Mai werde der Konzern einen 50-Prozent-Anteil an der marokkanischen Stahlgruppe Sonasid erwerben, sagte der CEO. Er wolle sich in den nächsten Wochen auch mit dem zweitgrößtem Aktionär Romain Zaleski treffen, der über seine Holding Carlo Tassara International fünf Prozent der Aktien hält. Etwa 15 bis 20 Prozent des Luxemburger Stahlkonzerns sind laut Arcelor im Besitz von Hedge-Fonds.

Arcelor-Aktien lagen am Freitagmittag kaum verändert rund 0,2 Prozent im Minus, Mittal notierten in Amsterdam 1,3 Prozent unter Vortagesschluss.

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