Rückkehr der Formel 1
Österreichs Autoindustrie will den Jackpot knacken

Autozulieferer und Stahlkonzerne wollen vom ersten Grand Prix in der Alpenrepublik seit mehr als zehn Jahren profitieren. Neue Arbeitsplätze sollen entstehen. Für das Rennen greifen die Unternehmen tief in die Tasche.
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WienWolfgang Eder ist alles andere als ein Schwärmer. Wenn es aber um den Großen Preis von Österreich der Formel 1 geht, ist die Begeisterung des nüchternen Vorstandschefs des Stahlriesen Voestalpine groß. Der 62-jährige Jurist begreift den Formel-1-Zirkus als unternehmerische Chance. Europas drittgrößter Stahlkonzern hat tief in die Tasche gegriffen, um sich im steirischen Spielberg der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Der Linzer Konzern hat die fast hundert Meter lange Tribüne in Form eines Heckspoilers, den „Voestalpine Wing“, spendiert. 900 Tonnen Stahl wurden für den hypermodernen Gebäudekomplex auf der Start-Ziel-Geraden der Rennstrecke verbaut. Über den Preis schweigt sich Voestalpine aus. Am Sonntag beim Rennen wird Eder stolz auf der Tribüne stehen und dem heimischen Red-Bull-Team die Daumen drücken.

Uneigennützig ist der große Auftritt der Voestalpine beim österreichischen Formel-1-Rennen freilich nicht. Das börsennotierte Unternehmen will den Rennzirkus vor weltweitem Publikum für seinen Markenauftritt nutzen. „Die internationale Stahlkraft des Großen Preises von Österreich reicht über Europa hinaus und erreicht nicht nur unsere Kunden und Partner, sondern auch unsere 47.000 Mitarbeiter in aller Welt“, schwärmt Eder, der den Stahlriesen zum globalen Technologiekonzern weiter entwickeln will. Die Formel 1 passt daher zum neuen supranationalen Image, dass sich die Voestalpine geben will. Schließlich wird das Rennen auf dem Red-Bull-Ring in mehr als 160 Ländern weltweit übertragen.

Die 4,3 Kilometer lange Rennstrecke in Südösterreich, auf der Michael Schumacher vor elf Jahren den Rundenrekord aufstellte, befand sich in einer Art Dornröschenschlaf. Es ist der aus der Steiermark stammende Milliardär Dietrich Mateschitz mit seinem Getränkeunternehmen Red Bull, der den gleichnamigen Formel-1-Rennstall samt angeschlossen Medienimperium (Servus TV), der den Grand Prix des Alpenlandes an diesem Wochenende nach elfjähriger Pause neu belebt.

Annähernd 100.000 Fans werden entlang der spannenden Rennstrecke erwartet. Vor der legendären Remus-Kurve werden die Fahrer wie Sebastian Vettel oder Lewis Hamilton Geschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometer erreichen.

Einer, der auch mitfiebern wird - nicht zuletzt aus professionellen Gründen - ist Wolfgang Plasser. Der begeisterte Porsche-Fahrer ist CEO des österreichischen Automobilzulieferers Pankl Racing Systems. Die Firma ist nur eine halbe Autostunde entfernt von der Rennstrecke in Spielberg. Die Freude des Unternehmenschefs ist riesengroß. „Wir machen 60 Prozent unserer Umsatzes von zuletzt 140 Millionen Euro mit dem Rennsport“, sagt Plasser dem Handelsblatt. Alle Formel-1-Teams fahren mit dem Pleuel von Pankl, zehn der elf Rennställe auch mit den Antriebswellen des österreichischen Unternehmens.

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