Rückkehr zum Ursprung
DaimlerChrysler stutzt Smart zusammen

Um im kommenden Jahr erstmals Gewinne mit dem Smart zu schreiben, kehrt DaimlerChrysler zu den Ursprüngen der Kleinwagentochter zurück. Dafür streicht der Autohersteller nicht nur die Modellpalette abermals zusammen, sondern auch die Belegschaft.

HB STUTTGART. Das wenig erfolgreiche viersitzige Modell „forfour“ soll nicht mehr produziert werden. „DaimlerChrysler plant die Fokussierung auf den Smart 'fortwo', um die Marke nachhaltig zukunftssicher zu machen“, teilte der Autokonzern am Samstag in Stuttgart mit und revidierte damit seinen bisherigen Sanierungskurs. Die bereits aus Kostengründen auf zwei Baureihen gekürzte Modellpalette schrumpft nochmals – übrig bleibt der vor sieben Jahren auf den Markt gebrachte Stadtflitzer mit zwei Sitzen.

Die Belegschaft von Smart am Stammsitz Böblingen schmilzt weiter um 300 auf 450 Mitarbeiter. Trotz des verschärften Sparkurses gab Daimler eine Bestandsgarantie für Smart ab: Der „fortwo“ werde langfristig im Konzern-Produktportfolio verankert, hieß es. Die in Zentralbereichen wie Finanzen und Marketing noch selbstständige Marke soll komplett in der Mutter Mercedes aufgehen.

Bei der seit Marktstart 1998 defizitären Tochter Smart setzt der erst wenige Monate an der Spitze von DaimlerChrysler und Mercedes stehende Dieter Zetsche damit das zweite harte Sanierungsprogramm binnen eines Jahres durch, das nochmals rund eine Milliarde Euro kosten wird. Der vorzeitig ausgeschiedene Daimler-Konzernchef Jürgen Schrempp wollten Smart noch mit Zwei- und Viersitzer bis 2007 in die Gewinnzone führen und damit Mercedes entlasten. Dieses Ziel sah Zetsche in Gefahr, da sich der Absatz des im harten Wettbewerb stehenden Viersitzers trotz Rabatten von bis zu 3000 Euro nicht besserte. „Unsere Markterwartungen haben sich nicht erfüllt“, sagte ein Sprecher. „Der „forfour“ war wirtschaftlich nicht mehr gerechtfertigt.“

Die von Zetsche nach dem fehlgeschlagenen Verkauf von Smart nun im Alleingang forcierte Sanierung ist vom Aufsichtsrat noch nicht abgesegnet. Ungewöhnlich ist, dass das Vorhaben am Samstag in einer Ad-Hoc-Mitteilung für die Finanzmärkte bekannt gegeben wurde, noch bevor der Vorstand zugestimmt hat. Auch sind noch Verhandlungen mit dem Produktionspartner Mitsubishi nötig.

Bereits im vergangenen Frühjahr war die Smart-Belegschaft in Böblingen nahezu halbiert worden, als das Modell Roadster eingestellt wurde und die Pläne für die geländegängige Variante „formore“ aufgegeben wurden. Das hatte DaimlerChrysler rund 1,1 Milliarden Euro gekostet und zu dem Verlust von einer halben Milliarde Euro bei der früheren Ertragsperle Mercedes beigetragen. Von einer kompletten Schließung blieb die einst mit dem Uhrenhersteller Swatch aus der Taufe gehobene Marke Smart damals nur wegen der damit verbundenen noch höheren Kosten verschont. Auf der Hauptversammlung Mitte April steht auf Verlangen eines einzelnen Aktionärs eine Abstimmung über eine Sonderprüfung bei Smart an, mit der der Anteilseigner die Offenlegung der geschätzten Milliardenverluste bei Smart in der Ära Schrempp erzwingen will.

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