Rückrufe bei General Motors
„Wer ein Problem nicht meldet, ist Teil des Problems“

Defekte Zündschlösser, verunglückte Kunden und die größte Rückrufaktion der Konzerngeschichte: Ein massives Sicherheitsproblem wurde bei GM jahrelang vertuscht. Chefin Mary Barra fordert nun einen radikalen Kulturwandel.
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San FranciscoEs war kein leichter Gang für GM-Chefin Mary Barra. Aber sie machte klar: Verantwortungsloses Verhalten wie in der Vergangenheit wird unmittelbare Konsequenzen haben. 15 Top-Manager haben das schon am eigenen Leib gespürt.

Mit fester Stimme zählte Mary Barra die Erkenntnisse des Vukulus–Berichts auf, der zu klären hatte, wie es zu einer desaströsen Katastrophe kommen konnte, die Menschenleben gefordert hat und zur größten Rückrufaktion in der Geschichte des Unternehmens geführt hatte.

Zündschlösser hatten sich während der Fahrt bei einigen Modellen selbsttätig in die „Aus“-Position bewegt, den Motor ausgeschaltet, Servo-Lenkung und –Bremsen deaktiviert. Die unkontrollierbaren Fahrzeuge schlugen in Mauern ein, streiften Bäume oder andere Fahrzeuge. Und das Schlimmste: Die Airbags wurden auch deaktiviert. Menschen starben oder erlitten schwerste Verletzungen. Elf Jahre lang wurde alles unter den Teppich gekehrt oder schlicht ignoriert.

Was Mitarbeiter und Presse da am Donnerstag in Detroit zu hören bekamen, skizzierte ein selbstzufriedenes Unternehmen, in dem niemand bereit war Verantwortung zu übernehmen, aber schnell dabei war, Probleme zu ignorieren oder klein zu reden.

Fast elf Jahre lang wurde das Problem mit den Zündschlüsseln behandelt wie ein Lackfehler bei einem Neuwagen – praktisch nicht der Rede wert. „Es wurde lange als ein Problem der Kundenzufriedenheit behandelt, nicht als Sicherheitsproblem“, räumte eine zerknirschte Vorstandchefin vor einem Auditorium ein, das in atemloser Stille zuhörte.

„Gestandene Sicherheitsingenieure“ hätten schlicht nicht kapiert, was es mit den Airbags und den Zündschlüsseln auf sich hatte. Von den beteiligten Mitarbeitern sei niemand bereit gewesen, Verantwortung zu übernehmen, oder das Problem auch nur weiterzuleiten.

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Untätigkeit ist für GM-Manager das Karriereende

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