Rückrufe wegen krebserregenden Farbstoffs Sudan1 belasten Lebensmittelhersteller nicht
Premier Foods verdaut Skandal um Worcester-Sauce

Großbritanniens größter Lebensmittelskandal seit der BSE Krise der frühen neunziger Jahre soll finanziell keine Spuren hinterlassen. Jedenfalls nicht für Premier Foods plc (PFD.L), Hersteller der mit karzinogenem Sudan 1 Farbstoff verseuchten Lieferung von Worcester Sauce, die in den vergangenen zwei Wochen Schlagzeilen machte.

mth LONDON. Zwei Wochen lang wurden Konsumenten in Großbritannien, zwölf weiteren europäischen Ländern und den USA mit Rückrufaktionen aufgeschreckt. Als Premier am Mittwoch seine erste Ganzjahres-Bilanz vorlegte, konnte CEO Robert Schofield Investoren nicht nur mit einer Steigerung des Betriebsgewinns von 26 Prozent beruhigen: „Die Sudan 1 Affäre hat das Unternehmen Zeit und Arbeit gekostet. Aber in finanzieller Hinsicht glauben wir nach der Prüfung von Schadenersatzforderungen und unserer Versicherungsposition, dass für das Unternehmen kein wirtschaftliches Risiko besteht“.

Mehr als 420 Produkte, vor allem aus fremder Produktion, waren mit der kontaminierten Sauce gewürzt. Eine Zahl für mögliche Kompensationsforderungen dieser Wiederverwerter nannte Premier nicht. Schofield geht davon aus, dass der Schaden durch Versicherer und eigene Schadenersatzansprüche gedeckt ist. Experten schätzten die Gesamtkosten der Affäre auf bis 100 Mill. Pfund (gut 145 Mill. Euro).

Das im Juli 2004 von der amerikanischen Gruppe Hicks, Muse, Tate & Furst mit einem Kapitalwert von 526 Mill. Pfund an die Londoner Börse gebrachte Unternehmen meldete in seiner ersten Ganzjahresbilanz einen Betriebsgewinn von 107,4 Mill. Pfund und steigerte den Umsatz um 8,8 Prozent auf 842,2 Mill. Pfund – in Marktbedingungen, die Schofield als „herausfordernd“ bezeichnete. Die Premier Aktie notierte am Nachmittag mit 272 Pence (plus drei Prozent) fast wieder so hoch wie vor der Sudan-1-Krise.

Zur Produktreihe von Premier gehören britische Traditionsmarken wie Typhoo Teebeutel und Branston Pickle. Premier stellt für Cadbury Schokodrinks her und kaufte dem amerikanischen Giganten Kraft im Dezember für 70 Mill. Pfund dessen britisches Produktportfolio ab, zu dem Puddingprodukte wie Birds und Angel Delight gehören. Die Worcestersauce der Marke Crosse & Blackwell erzielt allein rund eine Million Pfund Umsatz und darf nicht mit der Traditionssauce von Lea & Perrins’ verwechselt werden, die die Königin favorisiert.

Nachdem italienische Wissenschaftler im Januar den Farbstoff entdeckten, wurden die Wanderwege einer bereits 2003 verunreinigt aus Indien eingeführten Lieferung von zwei Tonnen Chilipulver rekonstruiert. Sie war von Bombay über zwei Zwischenhändler zu Premier und in die Crosse & Blackwell Sauce gelangt. Großmengen der Worcestersauce wurden an Hersteller von Fertiggerichten, Fleisch- und Wurstwaren, Kartoffelchips und Würzsaucen aller Art weiterverkauft. Die Nahrungsmittelbranche war selbst erstaunt über die verzweigten Wege der Würzsauce.

Für Schadenersatzforderungen von Konsumenten sind die Mengen des Farbstoffs aber zu gering. Experten verglichen die Krebsgefahr mit dem Rauchen einer Zigarette. Die FSA selbst betonte die Ungefährlichkeit der Produkte. Und auch in der Markenwirkung ist der Saucenskandal zu verdünnt, als dass Experten hier einen langfristigen Schaden für Premier erwarten.

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