Rückschlag bei Betaferon
Bayer zieht teuren Schlussstrich

Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer nimmt bei seinem Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon im dritten Quartal Wertberichtigungen in Höhe von 152 Millionen Euro vor. Der Versuch, das Marktpotenzial für sein wichtigstes Pharmamedikament auszuweiten, hat nämlich einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Die Bayer-Aktie lag kurz nach Börsenstart 0,6 Prozent im Minus bei 57,93 Euro.

HB/shf FRANKFURT. Bayer hatte Betaferon in einer höheren Dosierung von 500 Mikrogramm gestestet und mit der halb so hohen Standarddosierung sowie mit dem Konkurrenzpräparat Copaxone des israelischen Pharmakonzerns Teva verglichen. Dabei habe sich gezeigt, dass das höher dosierte Betaferon nicht besser wirkt als das Mittel in der Standarddosierung und auch nicht wirksamer ist als das Konkurrenzpräparat, erklärte der Leverkusener Konzern am Montag. Auf eine Zulassung der höheren Dosierung werde Bayer nun verzichten. Damit sollte das Anwendungsspektrum des Präparats erweitert werden, was für mehr Umsatz sorgen sollte.

Das mit Schering zu Bayer gekommene Medikament erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatzzuwachs von 14,3 Prozent auf 991 Mill. Euro. Damit ist es das umsatzstärkste Medikament der Bayer-Pharmasparte. Für dieses und das nächste Jahr erwartet Bayer jeweils ein Umsatzplus von sieben bis neun Prozent für Betaferon.

"Die Standarddosierung von Betaferon 250 Mikrogramm ist die optimale Dosis für Patienten, die mit einer Behandlung beginnen", erklärte Douglas Goodin von der University of California, der die Studie betreute. An der Untersuchung nahmen 2244 Patienten mit schubförmiger Multiplen Sklerose teil, die noch nicht behandelt worden waren. Weltweit leiden 2,5 Mill. Menschen an der chronischen Autoimmun-Erkrankung, die die Nerven der Patienten irreparabel schädigt und zu schweren Lähmungen bis hin zum Tod führen kann.

Ein positiver Ausgang der Studie hätte nach Einschätzung der WestLB dem Wirkstoff ein zusätzliche Umsatzpotenzial von mehr als 500 Mill. Euro bringen können. Statt dessen muss der Konzern nun womöglich damit rechnen, verstärkt unter Konkurrenzdruck zu geraten. Auf dem sieben Mrd. Dollar großen Markt für MS-Medikamente gegen derzeit neben Bayer die Darmstädter Merck Gruppe sowie Biogen-Idec sowie Sanofi und Teva den Ton an. Allerdings dürften in den nächsten Jahren weitere Produkte auf den Markt drängen, darunter auch eine Betaferon-Kopie von Novartis. Außerdem dürfte die Neuentwicklung Tysabri von Biogen und Elan nach Einschätzung von Fachleuten Marktanteile gewinnen.

Der Versuch des Bayer-Konzerns, das Marktpotenzial für sein wichtigstes Pharmamedikament, das Multiple-Sklerose-Mittel Betaferon, auszuweiten, hat einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Eine Studie mit einer Hochdosis-Version von Betaferon zeigte nach Angaben des Leverkusener Unternehmens keine Vorteile gegenüber der Standardversion und dem Konkurrenzprodukt Copaxone.

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