Rückschlag bestätigt Risiken bei Impfstoffen
Serono stellt Arbeit an Krebsmittel ein

Der Schweizer Biotechnologie-Konzern Serono hat einen weiteren Rückschlag in der Produktentwicklung erlitten: Das potenzielle Krebsmedikament Canvaxin zeigte in einer größeren zulassungsrelevanten Studie keine bessere Wirkung als ein Placebo, das heißt ein Scheinmedikament ohne aktive Wirksubstanz. Die Tests mit dem Mittel gegen Hautkrebs wurden daher eingestellt.

shf FRANKFURT/M. Der Fehlschlag bestätigt, wie schwer sich das Schweizer Unternehmen damit tut, sein Produktprogramm zu verbreitern. Bereits im Frühjahr meldete Serono enttäuschende Resultate für Canvaxin beim Einsatz gegen weit fortgeschrittene Formen von Hautkrebs. Zudem musste der Konzern die Arbeiten an einem Medikament gegen Schuppenflechte aufgeben, weil sich erhöhte Risiken bei nur moderater Wirkung offenbarten.

Mit knapp 14 Mrd. Dollar Börsenwert und 2,5 Mrd. Dollar Umsatz gilt Serono als das größte Biotechunternehmen Europas. Knapp die Hälfte der Erlöse entfallen auf Rebif, ein Medikament gegen die Nervenkrankheit Multiple Sklerose. Der Rest auf Fruchtbarkeits-Medikamente, Wachstumshormone sowie Lizenzerträge. Vor allem um die Abhängigkeit von Rebif zu mindern, hat der Konzern in den vergangenen beiden Jahren eine Serie von Entwicklungspartnerschaften mit kleineren Biotech- und Pharmafirmen besiegelt, so unter anderem mit der dänischen Genmab, den US-Firmen Biomarin und Novimmune, sowie mit der Münchner Firma Micromet.

Rechte an Canvaxin erwarb Serono Ende 2004 im Zuge einer Allianz mit dem kalifornischen Unternehmen Cancer-Vax. Das US-Biotechunternehmen erhielt dabei eine Vorauszahlung von 37 Mill. Dollar. In Reaktion auf die schwachen Testresultate verlor es nun aber rund ein Drittel an Wert. Die Serono-Aktie gab dagegen bis am Dienstag Nachmittag lediglich um knapp ein Prozent nach. Viele europäische Investoren und Analysten hatten offenbar ihre Erwartungen an Canvaxin bereits stark zurückgeschraubt.

Das Mittel gehört zu den so genannt Krebs-Impfstoffen. Mit Hilfe entsprechender Wirkstoffe zielen Pharmaforscher darauf, die körpereigene Immunabwehr von Patienten gegen Krebszellen zu aktivieren. Der Therapieansatz erscheint vordergründig vielversprechend, entpuppte sich in der Praxis bislang aber als relativ schwierig. Zuletzt mussten zum Beispiel Merck KGaA und die kanadische Biomira Verzögerungen bei ihrem Krebs-Vakzin BLP25 melden. Bei der deutschen Biotechfirma Liponova zieht sich das Zulassungsverfahren für einen Krebs-Impfstoff in die Länge, weil die europäische Arzneimittelbehörde Emea zusätzliche Daten verlangt.

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