Rückschlag für VW-Rivalen
Toyota wird wieder normal

Der Höhenflug des Yen trifft den VW-Rivalen Toyota mit voller Wucht. Der Absatz lahmt, der Gewinn brach im zweiten Geschäftsquartal ein. Lässt sich der Branchenprimus nun sogar von VW entthronen?

TokioEin starker Yen und sinkende Verkäufe in Nordamerika bremsen den japanischen Autobauer Toyota aus. Nicht nur ist in der ersten Hälfte des Bilanzjahres der Gewinn im Vergleich zum Rekordjahr 2015 um 30 Prozent eingebrochen. Volkswagen könnte dieses Jahr sogar ungeachtet seines Dieselgates am bisher größten Autohersteller der Welt vorbeiziehen, da Toyotas Absatz kaum wächst.

Toyotas Halbjahresbilanz machte deutlich, wie sehr die dreijährige Rekordjagd der Japaner vom tiefen Fall des Yen angetrieben wurde. Voriges Jahr trieb der Währungsturbo die Betriebsgewinnmarge in der ersten Hälfte 2015 noch auf fabelhafte 11,2 Prozent. Doch seit der Yen Anfang des Jahres in die Höhe schießt, wird Toyota auf irdische Maße gestutzt.

Obwohl Toyota mehr Autos verkauften, gab der Umsatz in der ersten Jahreshälfte um 7,2 Prozent auf umgerechnet 111 Milliarden Euro nach. Der Betriebsgewinn sackte sogar um 29,5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro ab.

Mit einer Gewinnmarge von 8,5 Prozent steht Toyota zwar im internationalen Vergleich noch immer sehr gut dar. Aber Toyota glaubt nicht, diesen Wert halten zu können. Denn er wurde durch ein sehr gutes erstes Quartal geschönt. Im zweiten Quartal drückte der starke Yen die Gewinne um 40 Prozent nach unten.

Toyota spart dagegen an – und dies mit Erfolg. Der Konzern erhöhte Gewinnprognose für das bis Ende März 2017 laufende Bilanzjahr um sechs Prozent auf 14,4 Milliarden Euro erhöht. Dies würde einer Gewinnmarge von 6,5 Prozent entsprechen. Angesichts der ersten Hälfte könnten Anleger die Vorhersage sogar als viel zu konservativ einstufen. Aber in einem sind sich die Auguren einig: Die Rekordgewinne der Vergangenheit sind vorerst Geschichte.

Ein Grund ist, dass Toyota in seinem Hauptmarkt USA kalt vom Fall des Ölpreise erwischt wurde. Die Amerikaner greifen weniger zu sparsamen Pkws wie Toyotas Hybridauto Prius, sondern mehr zu durstigen SUVs und Pickup-Trucks. Und da die Umstellung der Produktion dauert, sank Toyotas Absatz um ein Prozent.

Noch stärker drücken  allerdings die wirtschaftlichen Probleme in Schwellenländern wie Brasilien den Verkauf. Volkswagen hingegen profitiert von seiner starken Stellung im robusten chinesischen Markt.

Ein anderer Lichtblick für Anleger sind japanische Medienberichte, nach denen Toyota 2020 massiv in den Markt für Elektroautos einsteigen will. Dies wäre eine Wende für Toyota, der bei elektrifizierten Antrieben bisher auf Hybrid- und Brennstoffzellenautos setzt. Aber Toyotas Vizepräsident Takahiko Ichiji schloß Elektroautos ausdrücklich nicht aus. „Wir wollen die Option haben, elektrische Passagierautos zu entwickeln“, sagte er.

Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent
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