Rückstellungen für eine Produkthaftungs-Affäre verdecken die Ertragskraft des Pharmakonzerns
Wyeth sucht sein Heil in der Forschung

Die Kooperation der Altana AG beim Magenmittel Pantoprazol mit der Wyeth Pharmaceuticals Corp. gilt schon lange als Erfolgsmodell der Kooperation deutscher Pharmagruppen mit US-Partnern. Zudem profiliert sich Wyeth in den USA derzeit gegenüber Mitbewerbern stark.

DÜSSELDORF. „Wyeth hat die Markterwartungen zuletzt klar geschlagen“, sagt Lehman-Brothers-Analyst Anthony Butler. „Insgesamt gehört Wyeth zu den attraktivsten US-Pharmagruppen.“

Die Amerikaner halten die Umsätze des patentgeschützten Altana-Magenmittels bei gut einem Fünftel der verschreibungspflichtigen Medikamente seiner Klasse. „Wir haben Vertrauen in das Potenzial des Mittels,“ sagt Robert Power, der bei Wyeth für das internationale Pharmageschäft verantwortlich ist. „Die Partnerschaft mit Altana schafft für beide Seiten viel Wert.“

Dabei sind die Amerikaner vollauf mit der Vermarktung eigener Produkte beschäftigt. US-Branchenkenner billigen dem mit 17 Mrd. Dollar (13,45 Mrd. Euro) Umsatz im oberen Mittelfeld der Branche angesiedelten Konzern den Status als eines führenden Wirkstoffentwicklers zu. Wyeth will in diesem Jahr 2,7 Mrd. Dollar für Forschung ausgeben, 350 Mill. Dollar mehr als 2004.

„Wir wollen jedes Jahr zwei neue Medikamente auf den Markt bringen, und wir sind nahe dran“, sagt Power. „Wir haben in den letzten vier Jahren 48 neue Wirkstoffe entwickelt, und 40 davon sind noch im Rennen.“ Das Antibiotikum „Tygacil“ ist im Zulassungsverfahren. Sechs weitere Mittel will Wyeth bis Ende 2006 in die Zulassung geben.

Dass Wyeth so weit gekommen ist, verdankt die Firma einer scharfen Fokussierung auf wenige Wirkstoffarten und Therapiegebiete. So konzentriert sich das Unternehmen auf kleine Wirkstoffmoleküle, Biopharmaka und Impfstoffe – Produktplattformen, die Synergien bei Forschung und Produktion aufweisen.

„Wir wollen jeweils mit dem ersten und dem besten Mittel einer Medikamentenklasse am Markt sein“, sagt er. Dass Wyeth bisher nicht der Ruf des Innovators voraus eilt, liegt am Vorleben der früheren American Home-Products-Gruppe. So ist Wyeth in die größte Produkthaftungs-Affäre der Branche verwickelt.

Mehr als 21 Mrd. Dollar stellte Wyeth bisher für Vergleiche mit Patienten zurück, die den Konzern wegen angeblicher Nebenwirkungen des Schlankheitsmittels „Redux“ vor Gericht zerrten. 14 Mrd. Dollar davon sind bereits ausgegeben. „Die Affäre ist noch nicht ausgestanden,“ meint Lehman-Analyst Butler, „aber sie entwickelt sich in die richtige Richtung.“

Die Risikovorsorge, 2004 mit 4,5 Mrd. Dollar anderthalb mal so hoch wie der Konzernumsatz von Partner Altana, zehrt einen Großteil der Überschüsse auf. Ohne „Redux“-Vorsorge hätte Wyeth 5,7 Mrd. Dollar Reingewinn gemacht – ausgewiesen wurden 1,2 Mrd. Dollar.Trotzdem geben Banken wie Citigroup und UBS Kaufempfehlungen für die Aktie.

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