Rückstellungen wegen Ermittlungen der US-Staatsanwaltschaft
Serono mit hunderten Millionen Dollar in den Miesen

Der Schweizer Biotechnologiekonzern Serono ist im ersten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Weil die US-Staatsanwaltschaft gegen das Unternehmen ermittelt, musste es Rückstellungen von 725 Millionen Dollar bilden. Der Verlust im Quartal beträgt deshalb 567,7 Millionen Dollar.

HB ZÜRICH. Auch operativ verfehlte Serono die Analystenerwartungen: Unter Ausschluss der außergewöhnlichen Belastungen kam Serono auf einen operativen Gewinn von 107,2 Millionen - 6,9 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Besonders das Wachstum des Hauptprodukts Rebif schwächte sich gegenüber dem Vorjahr markant ab. Das Multiple Sklerose-Medikament steht für die Hälfte des Konzernumsatzes.

Laut Serono-Angaben vom Freitag stehen die Rückstellungen im Zusammengang mit einer Ermittlung der US-Staatsanwaltschaft. Dabei geht es laut Serono um die Preisbildung beim AIDS-Medikament Serostim. Serono-Vertretern in den USA wird laut einer früheren Mitteilung der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, sie hätten Ärzte mit Reisen zu einem Kongress nach Cannes zur Verschreibung von Serostim veranlassen wollen.

Serono rechnet laut weiteren Angaben damit, die Rückstellung noch vor Jahresende vollständig zu beanspruchen.

Unter Ausschluss der Sonderposten resultierte in den ersten drei Monaten ein Nettogewinn von 92,7 Millionen Dollar, teilte Serono in der Nacht auf Freitag weiter mit. Das waren 11,7 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode.

Ebenfalls unter Ausschluss der Sonderbelastungen bestätigte Serono die Prognosen für das Gesamtjahr. „Auf Grund starker Fundamente in allen Therapiebereichen sind wir zuversichtlich, unsere vorgelegte Top- und Bottom-Line Guidance für das gesamte Geschäftsjahr zu erreichen, wenn man die einmalige, aussergewöhnliche Belastung außer Betracht lässt“, wurde CEO Ernesto Bertarelli in der Medienmitteilung zitiert.

Serono hat für 2005 ohne Aufwendungen für neue Kooperationsabkommen oder andere Sonderposten einen Gewinnanstieg auf 520 Millionen bis 540 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Die Produktverkäufe sollten um 10 bis 15 Prozent zu aktuellen Wechselkursen steigen und der Konzernumsatz mindestens 2,6 Milliarden Dollar erreichen.

Der Umsatz stieg im ersten Quartal um 8,0 Prozent in Dollar und 4,4 Prozent in Lokalwährungen auf 601,4 Millionen Dollar. Der Umsatz des wichtigsten Produktes, des Multiple Sklerose-Medikaments Rebif, erhöhten sich in Dollar um 12,8 Prozent und in lokalen Währungen um 8,4 Prozent auf 292,8 Millionen Dollar. Im ersten Quartal 2004 hatte der Zuwachs bei Rebif in Lokalwährungen noch 34,2 Prozent betragen. Im wichtigen US-Markt erreichten die Verkäufe 76,8 Millionen Dollar nach 62,7 Millionen im Vergleichsquartal des Vorjahres.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Quartalsgewinn von 120,6 Millionen Dollar gerechnet. Die Rebif-Verkäufe waren 311,9 Millionen Dollar geschätzt worden. Der operative Gewinn war mit 103,7 Millionen Dollar erwartet worden.

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