Rücktritt von Arbeitsdirektor Peter Hartz verändert die Machtverhältnisse
Affäre beschleunigt die VW-Sanierung

Bis zum Jahresende wird der seit Mai amtierende VW-Markenchef Wolfgang Bernhard einen Sanierungsplan für die defizitäre Kernmarke VW vorlegen. Ob es danach zu Werksschließungen kommt, wollte der Ex-Daimler-Manager nicht sagen.

FRANKFURT. „Wir müssen erkennen, dass wir massive Probleme haben, die wir sofort anpacken müssen“, sagte Bernhard dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“.

Die Maßnahmen durchzusetzen, könnte dem als harten Sanierer bekannten Manager nun leichter fallen. Denn mit dem Ausscheiden von Personalvorstand Peter Hartz und dem Skandal um den zurückgetretenen Gesamtbetriebsratschef Klaus Volkert haben sich die Machtverhältnisse in Wolfsburg verschoben. VW, zuletzt als VEB Wolfsburg verspottet, „könnte jetzt zu einem ganz normalen Unternehmen werden“, kommentierte Albrecht Denninghoff, Analyst der Hypovereinsbank.

Das ist angesichts der chronischen Ertragsschwäche auch notwendig. VW als Europas größter Autobauer erzielt mickrige Margen, die Kernmarke VW ist in den roten Zahlen und an der Börse ist der Konzern gerade einmal mit 12,5 Mrd. Euro bewertet. BMW kommt mit einen Viertel der Autos auf das Doppelte, Toyota ist den Anlegern acht Mal so viel wert. Branchenbeobachter wie der Leiter der Bamberger Forschungsstelle Automobilwirtschaft, Wolfgang Meinig, sehen VW daher schon als Übernahmekandidaten.

Vorerst ist das Management aber damit beschäftigt, den Konzern aus eigener Kraft fit zu machen. „Die Mannschaft hat verstanden, dass es jetzt ans Eingemachte geht“, stellt Vorstandschef Pischetsrieder klar, vor allem bei der Kernmarke VW. Etwa 250 Mill. Euro Verlust hat die Marke 2004 eingefahren, dabei steht sie für 70 Prozent aller Verkäufe. Markenchef Bernhard muss die Kosten kappen und kämpft mit extrem schwierigen Strukturen. So arbeiten mehr als die Hälfte der 343 000 Konzernbeschäftigten im Hochlohnland Deutschland, wo aber nur noch ein Sechstel der Autos verkauft wird. Die Auslastung liegt bei 80 Prozent, im Stammwerk Wolfsburg sogar nur bei 70 Prozent. Rein rechnerisch hat der Konzern in der Produktion rund 30 000 Stellen zu viel. Die Kapitalrendite lag zuletzt bei 1,2 Prozent, die Umsatzmarge noch niedriger.

Milliardenschwere Sparprogramme, das Einfrieren der Gehälter und die Dollarerholung werden VW zwar in diesem Jahr helfen, das Ergebnis zu verbessern, die angestrebte Kapitalrendite von neun Prozent liegt aber in weiter Ferne.

Um vier Mrd. Euro will Pischetsrieder das Ergebnis in den nächsten Jahren verbessern. Dazu müssen allein bei der Marke VW die Kosten um sieben bis acht Mrd. Euro gekürzt werden, hat Bernhard ausgerechnet. Um das zu erreichen, kommen auch auf die Beschäftigten Einschnitte zu. Die von Hartz im Herbst gewährte Beschäftigungsgarantie bis 2011 setzt dem Reformdrang von Wolfgang Bernhard dabei allerdings enge Grenzen.



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