Rückzug aus Russland: Opels schwieriges Manöver

Rückzug aus Russland
Opels schwieriges Manöver

In Russland stand Opel vor der schwierigen Wahl: Alles riskieren oder die Verluste begrenzen. Die Entscheidung für einen Rückzug ist mutig, einen Weg zurück dürfte es so schnell nicht geben.
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RüsselsheimEs war die große Stunde des Opel-Chefs Karl-Thomas Neumann: Anfang 2014 konnte er verkünden, dass der Wachstumsmarkt Russland nun zu seinem Verantwortungsbereich gehöre. „Eine Aufwertung für Opel“, waren sich alle Experten einig. Russland sollte bis zum Ende der Dekade zum größten Automarkt Europas werden. Dass Mutterkonzern General Motors (GM) der europäischen Tochter hier die Verantwortung übertrug, war ein Vertrauensbeweis. Und Neumann war sichtlich stolz.

„Damals waren wir alle froh, dass wir Russland in unsere europäische Opel-Familie aufnehmen konnten“, sagt Neumann im Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt. „Aber wenn man erkennt, dass es anders kommt als man gedacht hat, dann muss man handeln – und zwar schnell.“ Nachdem der Absatz eingebrochen ist, zieht Opel in Russland nun die Notbremse. Opel und Chevrolet sollen sich komplett aus dem russischen Volumengeschäft zurückziehen.

Der Großteil der 180 Händler werden geschlossen, rund 1.150 Mitarbeiter im Werk Sankt Petersburg müssen bis Ende des Jahres gehen, und auch Kooperationen mit russischen Autobauern sollen beendet werden. Verkauft werden künftig nur noch die Premiummodelle von Cadillac, große SUV und Sportwagen von Chevrolet. Kurz: Importmodelle, bei denen die Rendite noch stimmt, die aber einen marginalen Anteil an den Verkäufen haben.

Opel und Chevrolet hat der Niedergang des russischen Automarktes besonders hart getroffen.  Der Absatz der beiden GM-Töchter ist in den ersten zwei Monaten des Jahres um 74,6 Prozent eingebrochen. Gemeinsam haben Opel und Chevrolet landesweit nur noch 8.400 Autos verkauft. Darum hatte Neumann bereits Ende des Jahres angekündigt, die Produktion im Werk Sankt Petersburg für einige Monate auszusetzen. Nun wird die russische Produktion komplett stillgelegt und auch die Importe werden gestoppt.

Mit dem Preisverfall des Rubels sind auch die Kosten von Opel massiv gestiegen. Denn deutlich mehr als die Hälfte aller Teile muss die GM-Tochter importieren. Zunächst setzte man darum auf Schadensbegrenzung: Um nicht mit jedem verkauften Auto massive Verluste einzufahren, erhöhte man die Preise deutlich. Konkurrenten wie Hyundai hielten die Preise stabil, um Marktanteile zu gewinnen - auch mit dem Risiko, so mit jedem verkauften Auto Verluste einzufahren. Das jüngste Desaster in der Absatzstatistik war für Opel darum absehbar. Der Marktanteil von rund 9 Prozent, den Chevrolet und Opel im Jahr 2013 noch hatten, ist in den ersten Monaten des Jahres auf mickrige 3,4 Prozent zusammengeschrumpft.

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Russland hinterlässt eine große Lücke

Kommentare zu " Rückzug aus Russland: Opels schwieriges Manöver"

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  • Sag ich doch: Das fällt ihr auf die Füße. Aber wer nicht hören will bzw. auf die Falschen hört, muss büßen ;–)

  • >> Nachdem der Absatz eingebrochen ist, zieht Opel in Russland nun die Notbremse. Opel und Chevrolet sollen sich komplett aus dem russischen Volumengeschäft zurückziehen. >>

    Den Einbruch des Absatzes hat Opel , sowie anderen westlichen Autofirmen der Murksel mit ihren Sanktionen zu verdanken.

    Die Murksel verbrät mit ihren unnützen Sanktionen auf Befehl ihres Herrchen Obama die Investitionen der Deutschen Anlagen- und Automobilindustrie !

    Aber diese Kapitäne der Wirtschaft sind ihr mit Begeisterung gefolgt, dem Primat der Politik.

    Jetzt kommt die Zahlstunde !

    Wohl bekommt's, den Investitionen und den Arbeitsplätzen.

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