Rückzug
Nestle gibt in Simbabwe auf

Nestle hat seine Geschäfte in Simbabwe eingestellt und sich über Schikanen der Behörden beschwert. Hintergrund ist offenbar die Entscheidung des Schweizer Lebensmittelkonzerns, nicht mehr die Milch einer Farm zu kaufen, die von der Familie des Präsidenten Robert Mugabe übernommen wurde.
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HB HARARE. Am 19. Dezember hätten Polizisten und Mitarbeiter der Regierung die örtliche Vertretung gezwungen, eine Milchlieferung von einem Nicht-Vertragspartner anzunehmen, teilte der weltgrößte Lebensmittelhersteller am Mittwoch mit. Zwei Manager seien vorübergehend festgenommen worden. „Da unter solchen Bedingungen der normale Betrieb und die Sicherheit der Angestellten nicht gewährleistet werden kann, hat Nestle beschlossen, die Anlage vorübergehend stillzulegen.“

Aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete, Nestle sei unter Druck gesetzt worden, seitdem der Konzern nicht mehr Milch von Gushungo Dairy Estate bezogen habe. Der Hof war als Teil einer umstrittenen Landreform beschlagnahmt worden. Nach internationaler Kritik hatte Nestle im Oktober den Lieferanten aufgegeben. Nestle bezog nach eigenen Angaben in Simbabwe 15 Prozent seiner Milch von Gushungo.

Unter Mugabe wurden zahlreiche Farmen weißer Bauern beschlagnahmt und Schwarzen zugeteilt. Kritiker machen dies für die wirtschaftliche Misere mitverantwortlich. Der Präsident selbst gibt ausländischen Sanktionen die Schuld. In den vergangenen Monaten hat sich die Einheitsregierung unter Beteiligung von Ministerpräsident Morgan Tsvangirai bemüht, ausländische Investoren wieder ins Land zu locken. Mugabe ist im ehemaligen Rhodesien seit der Unabhängigkeit von Großbritannien in den 80er Jahren an der Macht.

Tsvangirai kritisierte die Entscheidung von Nestle als unnötige Überreaktion. „Es ist schade, dass dies zu einer Zeit geschieht, da wir Investitionen anlocken und Arbeitsplätze schaffen wollen“, sagte er bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Mugabe. Der Handelsminister sei mit Nestle im Gespräch, damit der Konzern sein Werk wiedereröffne und sogar expandiere. Mugabe sagte, er kenne die Details des Vorfalles nicht. „Mögen Sie deren Schokolade?“, scherzte er dann.

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