Rückzug
Volkswagen erzürnt Partner in Israel

Volkswagen zieht sich mit sofortiger Wirkung aus dem Magnesiumwerk "Dead Sea Magnesium" (DSM) in Israel zurück. Sie würden auf den gesamten Anteil von 35 Prozent verzichten, teilten Volkswagen-Manager der Partnerin Israel Chemicals mit, welche die übrigen 65 Prozent von DSM besitzt.

TEL AVIV. Damit will VW ein Engagement beenden, das in den vergangenen Jahren nur rote Zahlen gekannt hat. Wolfsburg habe jedes Jahr sieben bis zehn Mio. Dollar im Magnesiumwerk verloren, schätzt der Vorsitzende von Dead Sea Magnesium, Eli Amit, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Es komme zwar immer wieder vor, dass Partnerschaften aufgelöst werden. Doch Amit wirft Volkswagen ein "ethisch fragwürdiges Verhalten" vor, weil sich die Deutschen einseitig und ohne Rücksprache mit dem israelischen Partner zurückziehen wollen. "Volkswagen hat uns im Stich gelassen", sagt Amit und hält dem deutschen Autobauer vor, seiner moralischen Verpflichtung gegenüber den 380 Arbeitnehmern, den Partnern und den Banken nicht nachzukommen. VW sagte zum Handelsblatt, dass das Werk in Israel nicht zum Kerngeschäft gehöre und man sich daher davon getrennt hat.

Israel Chemicals behält sich juristische Schritte gegen den angekündigten Rückzug von Volkswagen vor. Wolfsburg betrachte zwar das Kapitel Dead Sea Works offenbar als abgeschlossen. "Aber aus unserer Sicht ist Volkswagen nach wie vor Partner des Magnesiumswerks", so Amit. Wolfsburg könne sich durch den einseitigen Rückzug nicht von allfälligen Forderungen lossagen, die nun auf das Magnesiumswerk zukommen könnten.

Der deutsche Rückzug kommt für das Magnesiumwerk zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Es steht derzeit in Umschuldungsverhandlungen für Kredite, die Ende dieses Jahres auslaufen. Noch ist unklar, wie die Banken auf den deutschen Rückzug reagieren werden. Die Firma hat gegenüber den Geldhäusern Verpflichtungen im Umfang von über 100 Mio. Dollar, von denen bis Ende Jahr rund 80 Mio. fällig werden.

Der einseitige Rückzug des deutschen Partners wird in Tel Aviv nicht nur als empfindlicher Rückschlag für die deutsch-israelische Wirtschaftskooperation gesehen. Der Schritt habe auch eine symbolische Tragweite, sagt Amit. Denn als im Sommer 1995 VW und die Dead Sea Works die Grundsatzvereinbarung zur Gründung der Magnesiumfabrik unterschrieben, waren die damaligen Regierungschefs anwesend, Bundeskanzler Helmut Kohl und Jitzchak Rabin.

Angereist war auch VW-Chef Ferdinand Piech. Dank des Joint Ventures wollte sich der Konzern Zugriff auf ein Metall sichern, das für die Automobilproduktion künftig wichtig sein könnte. Bei der deutsch-israelischen Partnerschaft am Toten Meer handelte es sich um eine der größten europäischen Investitionen in Israel. Doch kaum war der Vertrag unterzeichnet, veränderten sich die Marktverhältnisse zuungunsten des israelischen Standortes.

In China wurde die Magnesiumproduktion massiv gesteigert, was zu einem rasanten Preiszerfall führte. Die Wirtschaftlichkeit des energieintensiven Magnesiums litt zusätzlich unter den steigenden Ölkosten. Heute dominieren chinesische Anbieter den Magnesiummarkt mit rund 80 Prozent.

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