Rüstung
Staaten gewähren EADS weiteren Aufschub

Die Verteidigungsminister von Frankreich, Großbritannien, Spanien, Türkei, Belgien, Luxemburg und Deutschland haben keine Einigkeit über das weitere Vorgehen beim Airbus-Militärflieger erzielt. Das Projekt ist aufgrund von Problemen mit dem Propellertriebwerken drei Jahre im Rückstand.

MADRID. Die Bestell-Länder des Militärtransportflugzeugs A400M der EADS-Tochter Airbus haben die Entscheidung über die Zukunft des Programms um einen weiteren Monat aufgeschoben. Das ist das magere Ergebnis nach einer mehrstündigen Sitzung der Verteidigungsminister von Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Türkei, Belgien und Luxemburg gestern auf dem Airbus-Gelände im spanischen Sevilla. "Eine gemeinsame Vision, Ambitionen für das Projekt, absoluter Konsens über die Fortschritte, die zu erzielen sind und ein Moratorium von einem Monat um den Umfang der Verhandlungen festzulegen", fasste der spanische Verteidigungsstaatssekretär Constantino Méndez die Ergebnisse zusammen.

Das rund 20 Mrd. Euro teure Rüstungsprojekt ist aufgrund von Problemen mit den Propellertriebwerken um derzeit drei Jahre im Rückstand. Die deutsche Luftwaffe soll den ersten Airbus-Militärtransporter erst 2014 erhalten, wie EADS-Sprecher Alexander Reinhardt bestätigte. Der Jungfernflug des A400M ist für Ende 2009 geplant. Drei Jahre später soll Frankreich das erste Flugzeug erhalten, danach Großbritannien und Spanien.

Die sieben Bestell-Länder hatten ursprünglich die Möglichkeit, ihre Aufträge bis zum 1. April zu stornieren. Diese Frist hatten sie jedoch bis zum 1. Juli verlängert. Frankreich und Deutschland würden die Entscheidung gern nochmals bis zum Jahresende hinausschieben. Doch scheinbar haben sie die Kollegen aus den übrigen Ländern nicht überzeugt.

Im Vordergrund steht vor allem die Frage, wie die Finanzierung eines weiteren Aufschubs aufgeteilt würde. Bisher trägt Airbus das Gesamtrisiko. Der 2003 abgeschlossene Vertrag sah einen Festpreis vor, doch die Verzögerungen haben den Airbus-Mutterkonzern EADS bereits 2,5 Mrd. Euro gekostet. Einem Bericht der Financial Times Deutschland zufolge lehnen die Bestellnationen die Übernahme zusätzlicher Kosten ab. Sie wären aber bereit, über die anfallenden Strafzahlungen in Höhe von 1,4 Mrd. Euro zu verhandeln und den Festpreisvertrag anzupassen.

Innerhalb des jetzt beschlossenen Moratoriums von einem Monat wolle man "mit dem Unternehmen vor allem die finanziellen Fragen klären", sagte der französische Verteidigungsminister Hervé Morin gestern. Er habe ein neues Zusammentreffen Ende Juli in Paris vorgeschlagen.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin
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