Rüstungs-Megafusion
Thales als potenzielle Braut gehandelt

Die weltgrößte Flugschau im französischen Le Bourget bei Paris ist auch ein Ort für Brautschauen in der internationalen Flugtechnik- und Rüstungsbranche. Besonders heiß umworben - und in Fachkreisen entsprechend oft vorschnell vermählt - ist dabei Thales.

HB LE BOURGET. Der führende Rüstungselektronik-Konzern Europas ist an allen großen Militärprogrammen aller Waffengattungen in Europa beteiligt, und an Boeings 787 und am Airbus A380 sowieso - ein echtes Sahnestück. Ohne Thales geht es nicht, wenn Europa den Amerikanern im Rüstungsbereich Paroli bieten will. Um Thales könnte der größte Flugtechnikkonzern Europas entstehen. Doch die Braut ziert sich. Deutschland spielt zum Hochzeitstanz nur die zweite Geige.

Selbstbewusst zeigte Konzernchef Denis Ranque in Le Bourget allen die kalte Schulter - und lockt dann doch mit treuem Augenaufschlag. Eine Zwangsehe aus wirtschaftlichen Gründen habe er nicht nötig, sagt der hoch gewachsene Manager selbstbewusst. Thales sei mit zehn Mrd. € Umsatz doppelt so groß wie der nächste Konkurrent in Europa. Beim Airbus A380 sei Thales genauso unverzichtbar wie bei Dassaults Jagdbomber Rafale: „Sie bauen die Rümpfe, wir die Gehirne.“

Allerdings entscheiden die Aktionäre über Fusionen und nicht die Manager. Und Thales hat den Staat (31,3 %), Alcatel (9,5) und Dassault (5,7) im Nacken. Sie zwangen Ranque, vier Optionen zu prüfen: den Alleingang, die Übernahme durch (den im Rüstungsbereich gleich großen Konzern) EADS, die Fusion mit dem - erst im Mai 2005 gebildeten - französischen Rüstungs-Riesen SAFRAN und den Zusammenschluss mit Italiens Industrieperle Finmeccanica.

Eine üble Zwangsheirat wäre für Ranque die - von Präsident Jacques Chirac anfangs favorisierte - Übernahme durch den deutsch-französisch beherrschten Branchenprimus EADS. Denn EADS würde Thales zerlegen und nur die Hälfte des Geschäfts behalten. Die Befürchtung wird aus EADS- Aktionärskreisen bestätigt: Der Konzern drängt seine Zulieferer knallhart zu Preissenkungen und möchte solchen Druck ungern auf Werke im eigenen Hause ausüben. Doch EADS ist vom deutsch-französischen Aktionärsstreit blockiert. Das ist die Chance für Ranque, sich mit einer Alternativlösung dem Zugriff von EADS zu entwinden.

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