Rüstungs- und Industriekonzern Diehl
Das Fossil mit der Rakete

Thomas Diehl sieht sich selbst als „Fossil der Rüstungsbranche“. Dabei hat seine Unternehmensgruppe viel mehr im Programm als Raketen für den Eurofighter. Der Gewinn steigt, das Geschäft mit Airbus und Boeing brummt.
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NürnbergEs gibt eine Frage, die hat Thomas Diehl wohl schon tausend Mal gehört. Zum Beispiel die, ob das Portfolio seines Unternehmens nicht mal aufgeräumt gehört. Ob Lenkraketen, Wasserzähler und Flugzeugtoiletten wirklich unter ein Dach passen. Dann gibt Thomas Diehl dem Frager erst einmal Recht: „Ein Finanzinvestor würde das Unternehmen zerschlagen und der Rest wäre fürs Sozialamt“, brummt der 64-Jährige auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag in Nürnberg.

Aber so denkt der Chef und Miteigentümer der Diehl-Gruppe nicht. Es reicht ihm, wenn das Unternehmen im 112. Jahr nach Gründung ein positives Ergebnis schreibt. 134 Millionen Euro beträgt das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit für 2014, gut ein Drittel mehr als im Vorjahr, bei einem Umsatz von erstmals mehr als drei Milliarden Euro. Und auch 2015 soll es aufwärts gehen – moderat, wie immer.

Diehl ist eines der eigenartigsten Gebilde der deutschen Unternehmenslandschaft. Lange Zeit als reiner Rüstungskonzern wahrgenommen, verdienen die Nürnberger heute ihr Geld vor allem mit dem Bau von Flugzeugkabinen, Steuerungen für Waschmaschinen und Zulieferungen für die Autoindustrie.

Kaum ein Unternehmen ist gleichzeitig so diversifiziert und globalisiert wie die Nürnberger. Und kaum ein Unternehmen dieser Größenordnung wird so familiär geführt wie Diehl.

Drei Familienstämme kontrollieren den Gesellschafterkreis. Die Gewinne bleiben traditionell in der Firma. Thomas Diehl, seit 38 Jahren im Unternehmen, gönnt sich offiziell nur 15.000 Euro im Monat, das Salär eines Prokuristen. Er sieht sich als gütiger Patriarch: Erst das Unternehmen, dann die Familie. Mehr als 14.000 Beschäftigte zählt Diehl weltweit, die in der Vergangenheit auf einen sehr soliden Arbeitgeber bauen konnten.

Wo andere Berater brauchen, nutzt Thomas Diehl seine Lebenserfahrung. Zum Beispiel beim neuerlichen Umbau der Bundeswehr, seinem Hauptkunden. „Ich bin ja so ziemlich das Fossil der Branche“, kokettiert Diehl zwischen zwei Zigarettenzügen. Aussteigen aus der Rüstung werde er jedenfalls nicht, schließlich sei seine Luftabwehrrakete „Iris-T“ besser als die der französischen Konkurrenz. Stattdessen verkauft er das Geschäft mit Panzerketten an Krauss-Maffei-Wegmann.

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