Rüstungsauftrag
Boeing zieht neuen Trumpf im Tankerstreit

Boeing und EADS ringen um den größten Rüstungsauftrag der Geschichte: Die US-Regierung braucht neue Tankflugzeuge für ihre Luftflotte - und will dafür rund 35 Milliarden Euro ausgeben. Nun will der US-Flugzeugkonstrukteur die europäische Konkurrenz mit einem neueren Flugzeugmodell ausstechen.

PARIS. Strategiewende bei Boeing: Der US-Flugzeugkonstrukteur will im Wettbewerb um den milliardenschweren US-Tankflugzeug-Auftrag möglicherweise mit seiner jüngeren B 777 ins Rennen gehen. Bisher hatte Boeing stets seinen Tanker KC 767 ins Rennen geschickt, der auf der älteren und kleineren 767 beruht. „Wir sind flexibel, je nachdem, welche Anforderungen die Regierung stellt, bieten wir einen Tanker auf Basis der 767 oder der 777 an“, sagte David Bowman, Boeing-Manager für die Tankflugzeuge, auf der Pariser Luftfahrtschau.

Boeing und EADS mit Partner Northrop Grumman ringen seit Jahren um den größten Rüstungsauftrag der Geschichte. Die US-Air Force muss ihre veraltete Tankerflotte ersetzen. In einer ersten Tranche will die US-Regierung 179 neue Tankflugzeuge kaufen mit einem Wert von rund 35 Mrd. Dollar. Washington hatte den Auftrag schon an Airbus vergeben, nach einem Protest von Boeing aber neu ausgeschrieben. Airbus bietet einen Tanker auf Basis der A330 an; das Flugzeug ist größer und kann daher mehr Ladung und Treibstoff aufnehmen als die 767 von Boeing. Doch ein Tanker auf Basis der 777 dürfte vergleichbare Kapazitäten bieten. Allerdings gibt es die 777 im Unterschied zur A330 noch nicht in einer Tanker-Version. „Wir wissen, wie wir die 777 zu einem Tanker umbauen, da gibt es kein spezielles Problem“, sagte Boeing-Manager Bowman.

Ein Sprecher von EADS, der Mutter von Airbus, wollte die Nachricht von Boeing nicht weiter kommentieren. In Industriekreisen wird die Ankündigung Boeings als Zeichen der Unsicherheit gewertet. Denn Boeing scheine nicht mehr überzeugt zu sein, mit dem 767-Tanker gegen die A330 von Airbus bestehen zu können. Die ersten Entwürfe der Ausschreibung werden in den kommenden Wochen erwartet. Bis Ende des Jahres dürften dann die beiden Kontrahenten ihre Gebote bei der Regierung einreichen. Im Frühjahr nächsten Jahres dürfte dann die Entscheidung fallen.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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