Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien
Airbus-Mitarbeiter unter Schmiergeld-Verdacht

Die britische Antikorruptionsbehörde lädt wegen eines Schmiergeld-Verdachts vier Airbus-Mitarbeiter zum Verhör. Es geht um den Verkauf von Kampfflugzeugen an Saudi-Arabien. Eine Millionenstrafe könnte drohen.
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LondonVon Aktentaschen voller Geldscheine ist die Rede, von teurem Schmuck und noblen Karossen. Solche Geschenke soll der heutige Airbus-Konzern saudi-arabischen Funktionären über Mittelsmänner gemacht haben, um an einen Milliardenauftrag zu kommen. Es ist ein Verdacht, dem die britische Antikorruptionsbehörde Serious Fraud Office (SFO) seit längerem nachgeht – und der nun für mehrere Airbus-Mitarbeiter konkrete Folgen hat.

Wie Airbus am Mittwoch einräumte, habe die SFO vier frühere und derzeitige Mitarbeiter einer Airbus-Tochter zum Verhör geladen. Ein SFO-Sprecher sagte, es habe Festnahmen gegeben, ohne allerdings dabei den Namen Airbus zu nennen.

Den europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern holt damit eine alte Affäre ein. Die SFO hatte vor fast zwei Jahren Ermittlungen aufgenommen wegen des Verdachts, die damalige Airbus-Mutter EADS habe Vertreter Saudi-Arabiens bestochen, um einen 3,3 Milliarden Dollar schweren Auftrag zu ergattern. Konkret soll es um die Airbus-Tochtergesellschaft GPT Special Project Management gehen. Nach Informationen der „Financial Times“ hat die SFO zwei Beschäftigte dieser Gesellschaft verhört. Die Sparte beliefert die saudische Nationalgarde mit Kommunikations- und Intranet-Diensten. Die beiden anderen Verhörten seien ehemalige Airbus-Angestellte.

Die Bestechungsvorwürfe waren in einem Arbeitsgerichtsprozess eines ehemaligen GPT-Mitarbeiters gegen seinen Ex-Arbeitgeber aufgekommen. Der Mann, einst Oberstleutnant beim britischen Militär, hatte 2010 für die Airbus-Tochter in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gearbeitet und nach eigener Darstellung seinen Posten verloren, weil er Schmiergeldzahlungen seiner Firma infrage gestellt hatte. Das Geld, das an die saudi-arabischen Funktionäre floss, soll von Londoner Konten des Airbus-Konzerns, der damals noch EADS hieß, stammen.

Für Airbus und seinen deutschen Chef Thomas Enders sind die Vorwürfe äußerst heikel. Denn das Königreich ist mittlerweile einer der größten Exportkunden der Rüstungssparte. Wie gefährlich die Vorwürfe werden können, zeigt der Fall BAE Systems. Der britische Rüstungskonzern lieferte in den 1980er-Jahren Kampfflugzeuge und weitere Waffensysteme für insgesamt 46 Milliarden Euro an den Wüstenstaat. Den Auftrag hatte sich das Unternehmen angeblich mit Millionen an Schmiergeld erkauft.

Außer der britischen Antikorruptionsbehörde SFO hatte sich auch das amerikanische Verteidigungsministerium eingeschaltet und eigene Ermittlungen aufgenommen. Nach jahrelangen Untersuchungen gab der Rüstungskonzern Anfang 2010 dann in diesen und anderen Fällen Unregelmäßigkeiten zu. Die Strafe fiel dennoch schmerzhaft aus: Die Bußgelder beliefen sich auf insgesamt 450 Millionen Dollar.

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