Rüstungsexport-Firma
Russischer Staat greift nach Titanhersteller

Einer der größten Titanhersteller der Welt, der russische Konzern VSMPO Avisma, steht russischen Medienberichten zu Folge offenbar kurz vor der Verstaatlichung. Seit Monaten halten sich Spekulationen über einen Einstieg des staatseigenen Rüstungsexporteurs Rosoboronexport.

MOSKAU. Dessen Chef Sergej Tschemesow kündigte nun auf der Luftfahrtmesse in Farnborough an, bald die Kontrollmehrheit an Avisma zu übernehmen. Die Verhandlungen seien so gut wie abgeschlossen. Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ plant Rosoboronexport, 70 Prozent an dem Konzern zu übernehmen, der ein Drittel des weltweit verwendeten Titans produziert.

Titan ist nicht nur ein wichtiges Material für den Bau von Rüstungsgütern und in der Nuklearindustrie. Auch die zivile Luftfahrtindustrie ist auf das Metall angewiesen. Avisma zählt daher auch zu den wichtigsten Zulieferern für Boeing und Airbus.

Der russische Staat will jedoch die „strategisch wichtigen“ Konzerne des Landes unter seine Kontrolle bringen. Die russische Agentur Interfax berichtet, dass Avisma einen Platz unter dem Dach einer Holding mit allen großen Metallurgie-Unternehmen des Landes finden soll. Unter den Fittichen des Kremls befinden sich bereits die wichtigsten Flugzeugbauer des Landes. Zu Beginn des Jahres hatte die Regierung angekündigt, die Hersteller Iljuschin, Tupolew, Suchoi, MiG und Irkut unter einem Dach zu vereinen, um sie für den Weltmarkt konkurrenzfähiger zu machen.

Airbus wollte die möglichen Veränderungen bei dem Titanhersteller auf Anfrage nicht kommentieren. Nach Angaben aus Industriekreisen habe der europäische Flugzeugbauer aber bereits mit einer neuen Eigentümerstruktur gerechnet. Die bestehenden Verträge seien davon unberührt.

Mit der Übernahme durch Rosoboronexport würde für Avisma die überaus erfolgreiche Ära unter den beiden Besitzern Wladislaw Tetjuchin und Wjatscheslaw Brescht enden. Nachdem zunächst die Menatep-Gruppe des inzwischen im Gefängnis sitzenden ehemaligen Yukos-Chefs Michail Chodorkowski bei Avisma das Sagen hatte, den Konzern aber finanziell ausbluten ließ, übernahmen Tejuschin und Brescht Ende der neunziger Jahre das Ruder.

Sie haben das Unternehmen, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kurz vor dem Aus stand, modernisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. Die 21 000 Mitarbeiter des Konzerns erwirtschaften heute einen Umsatz von über 500 Mill. Dollar und einen Reingewinn von über 100 Mill. Dollar. An der russischen Börse RTS hat das Unternehmen heute eine Marktkapitalisierung von 2,1 Mrd. Dollar.

Beobachter befürchten, dass unter staatlicher Kontrolle die Effizienz des Unternehmens leidet und die Beziehungen zu den internationalen Kunden schwieriger werden, weil politische Motive die Geschäfte steuern könnten. Rosoboronexport-Chef Tschemesow weist dies allerdings von sich. In Farnborough bekundete er sogar Interesse an einem möglichen Joint Venture mit Boeing, das Avisma anstrebt.

Details der Übernahme von Avisma blieben gestern aber noch unklar. Brescht wie Tejuschin halten beide ein Paket von 30 Prozent an dem Titanhersteller. Avisma selbst wollte sich auf eine Anfrage nicht äußern. Laut Medienberichten versuchte vor allem Tejuschin in den vergangenen Monaten, dem Konzern die Selbstständigkeit zu erhalten. Ende des vergangenen Jahres bekam Avisma aber Besuch von den russischen Steuerbehörden – der Druck auf die Eigentümer ist hoch.

Wedomosti zu Folge sicherte Rosoboronexport einen Marktpreis für Avisma zu. Man sei in Gesprächen, von einem der Eigentümer 27 Prozent zu übernehmen. Verhandlungen liefen ebenfalls mit der Investment Bank Renaissance Capital über einen Anteil von 40 Prozent.

Titan - Metall der Flieger

Material: Das Metall wird für den Flugzeugbau immer wichtiger. Der Werkstoff ist leicht und besonders widerstandsfähig. Der Anteil des Metalls an modernen Flugzeugen wie der Boeing 787 liegt bei über einem Drittel. Wichtig auch für Waffensysteme.

Preis: Die hohe Nachfrage macht das Titan teurer. Pro Tonne liegt der Preis derzeit bei fast 30 000 Dollar. Bis 2008 könnten die Vertragspreise aber noch jährlich um weitere 30 Prozent steigen, schätzen Experten. Das treibt die Gewinne der Produzenten.

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