Rüstungsgeschäft
Schweiz kauft 22 Jets von Saab

Die veraltete Schweizer Luftwaffe wird modernisiert. Dabei hat Saab das Rennen gemacht, EADS und Dassault haben das Nachsehen bei dem Milliarden-Auftrag. Doch der Deal ist noch nicht in trockenen Tüchern.
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ZürichZur Modernisierung der Luftwaffe hat sich die Schweizer Regierung für den Saab Gripen als neuen Kampfjet entschieden. Damit haben sich die Schweden gegen die Konkurrenz des Eurofighters von EADS und den Rafale von Dassault durchgesetzt.

Wie Verteidigungsminister Ueli Maurer auf einer Pressekonferenz sagte, dürften die neuen Maschinen zwischen 2015 und 2018 ausgeliefert werden. Diese könnten als Bestandteil der von den Schweden angebotenen Gegengeschäfte teilweise auch in der Schweiz in Lizenz gefertigt werden, sagte er.

Die geplante Beschaffung von 22 Maschinen des Typs JAS-39 Gripen koste die Schweiz rund drei Milliarden Franken (2,45 Milliarden Euro) und komme die Regierung damit rund eine Milliarde Franken billiger als die Konkurrenz-Modelle. Das berichtet die Online-Ausgabe des Zürcher „Tages-Anzeigers“ unter Berufung auf regierungsnahe Kreise.

Bereits im Sommer 2012 will Verteidigungsminister Maurer dem Parlament die finanzielle Planung des Rüstungsgeschäfts inklusive möglicher Sparmaßnahmen bei anderen Armee-Teilen vorlegen. Das Parlament könnte dann bereits Ende des Jahres über die Beschaffung der neuen Kampfflugzeuge abstimmen.

Allerdings ist das Rüstungsgeschäft damit noch lange nicht in trockenen Tüchern. Sowohl die Sozialdemokraten von der SP als auch die Grünen kündigten Widerstand an. Möglicherweise könne es auch zu einem Referendum über den finanziellen Rahmen des Rüstungsdeals kommen, sagte Maurer.

Die Schweiz verfügt derzeit über eine veraltete Flotte von 56 F-5E/F Tiger-Jets. Die Maschinen waren zwischen 1976 und 1981 beschafft worden.

Die Luftwaffe hat die drei Typen von Saab, EADS und Dassault bereits 2008 getestet. Aufgrund der aus dem Ruder laufenden Kosten beschloss die Regierung aber im August 2010, das Rüstungsvorhaben bis 2015 hinauszuschieben. Daraufhin entschied das Parlament, das jährliche Rüstungsbudget auf fünf Milliarden Franken aufzustocken, um so den Kauf doch noch zu ermöglichen. Die Regierung hatte 4,4 Milliarden Franken gefordert.

Für Saab wäre es nach Tschechien, Ungarn, Südafrika und Thailand insgesamt der fünfte Auslandsauftrag. Dassault wartet nach wie vor auf einen ausländischen Kunden für die Rafale. An der Stockholmer Börse schoss die Saab-Aktie um knapp acht Prozent in die Höhe.

Der Rüstungs- und Sicherheitskonzern Saab hat nichts mit dem gleichnamigen Autohersteller zu tun. Letzterer wurde 1990 in ein eigenständiges Unternehmen ausgegliedert und kämpft derzeit ums Überleben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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