Rüstungsindustrie
Brasilien eröffnet Saab-Kampfjet neuen Horizont

Ein schwedischer Kampfflieger soll in Südamerika sein Comeback feiern. Das Modell Gripen des schwedischen Rüstungskonzerns Saab soll künftig in auch in Brasilien produziert werden, und von dort aus die amerikanische Konkurrenz auf dem Kontinent verdrängen.

LINKÖPING. Der schwedische Militärausrüster Saab AB will die Hälfte der Produktion seines Hauptproduktes, den Kampfflieger Gripen, nach Brasilien verlagern. Damit wollen die Schweden dem Modell das Überleben sichern. Ein entsprechendes Angebot habe man der Regierung in Brasilia gemacht, sagte der Marketing-Chef des schwedischen Flugzeugherstellers, Bob Kemp.

Brasilien hat den Kauf von 36 Kampfjets im Wert von 1,8 Mrd. Dollar ausgeschrieben. Neben Saab AB bewerben sich Boeing mit dem F/A 18 und Lockheed mit der F35.

Anders als bei der Konkurrenz könnten die Brasilianer bei Saab von Anfang an das Projekt mitbestimmen. Das würde perfekt in die strategischen Überlegungen des Landes passen. Saab sei für eine Produktion in Brasilien bereits auf der Suche nach Zulieferern. Größe, Struktur und Marktposition der brasilianischen Luftfahrtindustrie machten die Zusammenarbeit erfolgversprechend, sagte Kemp.

Das Unternehmen Saab AB ist seit Jahren vollständig getrennt vom gleichnamigen Autohersteller. Beide haben gemeinsame Wurzeln.

Die brasilianische Luftwaffe wird Verteidigungsminister Nelson Jobim Anfang August eine Empfehlung aussprechen. Am Ende entscheidet Staatspräsidenten Luiz Lula da Silva. Saab hat nach eigener Einschätzung gute Chancen auf den Zuschlag. Es würde mehr Technologietransfer nach Brasilien stattfinden als bei einer Order von Boeing, sagte Kemp. Zudem sei der Gripen rund 20 Prozent günstiger als die F/A-18.

Saab hofft daneben auf Anschlussaufträge. Der Bedarf Brasiliens an neuen Kampfflugzeugen wird auf 120 geschätzt. Auch Argentinien, Ecuador und Mexico könnten sich für in Brasilien gebaute Grippen-Kampfflieger interessieren.

Die Schweden sind auf ein Erfolgserlebnis angewiesen. Berater Richard Aboulafia von der Teal Group rät, Saab müsse für das Überleben des Gripen Märkte besetzen, die nicht bereits von den beiden dominierenden Lieferanten für Kampfflugzeuge aus den USA beherrscht werden. Das wäre Brasilien, Indien und die Schweiz. Indien hatte Saab bereits ein ähnliches Angebot gemacht, bei dem rund die Hälfte der georderten Flugzeuge im Lande gebaut werden sollen.

„Was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht, ist der Gripen ein überlegenes Flugzeug. Aber Saab hat den Nachteil, dass es keinen starken Heimatmarkt gib“, sagt Aboulafia. Schweden hatte zuletzt den Verteidigungshaushalt gekürzt und die neueste Version des Gripen bislang nicht geordert. Das Nachbarland Norwegen düpierte die Schweden zuletzt und kaufte in den USA 48 F-35 von Lockheed. Auch Dänemark und die Niederlande bevorzugten Flieger aus den USA. Saab hat für den Gripen nur zwei Exportaufträge erhalten. 26 Flugzeugen gehen nach Thailand, sechs Maschinen nach Südafrika. Beide Aufträge laufen im Jahre 2012 aus. Bereits jetzt ist die Produktion von 15 Maschinen pro Jahr auf zehn bis zwölf Exemplare gesenkt worden. Bloomberg

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