Rüstungsindustrie
Große Nachfrage nach deutschen Waffen

Der gute Ruf deutscher Ingenieurskunst bezieht sich längst nicht nur auf den Maschinenbau. Auch deutsche Waffen genießen einen guten ruf. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes an vorderster Front dabei.
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München Deutschland ist einer der größten Waffenexporteure der Welt. Vor allem teure High-Tech-Produkte wie U-Boote treiben den Umsatz der Branche, die verglichen mit den US-Rüstungsriesen Lockheed Martin, Grumman oder Boeing eher klein ist. Dennoch: Wehrtechnik aus Deutschland ist rund um den Erdball begehrt. Der Außenhandel ist für die verschwiegenen Unternehmen schon lange ein wichtiges Standbein. Die Branche beschäftigt rund 80.000 Menschen in Deutschland. 

2009 exportierte Deutschland Rüstungsgüter im Wert von 1,3 Milliarden Euro, so steht es im Rüstungsexportbericht der Bundesregierung. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts Sipri liegt die Bundesrepublik damit hinter den USA und Russland auf dem dritten Platz. Auch weitere Statistiken führen Deutschland dort. Doch die Branche treiben ohnehin andere Fragen um. 

Während hierzulande und in anderen europäischen Ländern etliche der meist teuren Rüstungsprojekte dem Rotstift sparsamer Politiker zum Opfer gefallen sind, wächst der globale Waffenmarkt. Firmen wie Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann oder Thyssen-Krupp verdienen mit der Ausfuhr ihrer Produkte gutes Geld. Doch es sind längst nicht nur Waffen und Munition, es sind auch Dieselmotoren oder Lastwagen und verstärkt Sicherheitstechnik zur Überwachung etwa von Grenzen. 

Der Wunsch nach Waffen

So ist etwa die Region rund um den arabischen Golf ein lukrativer Wachstumsmarkt. Eine der wichtigsten Messen der Branche, die Idex, ist in Abu Dhabi zu Hause. Dort werden neue Panzer oder Haubitzen gezeigt. An Geld mangelt es den reichen Ölstaaten der Region nicht. Und das gilt zunehmend für viele Schwellenländer, wie Brasilien, Indien oder die Türkei. 

Dort wächst die Wirtschaft rasant - und zugleich der Wunsch nach moderner Bewaffnung. „Der anhaltende Anstieg ist schon überraschend angesichts der fehlenden militärischen Bedrohungen für die meisten Staaten, die außerdem viel dringendere soziale Probleme haben“, sagte die Südamerika-Expertin von Sipri, Carina Solmirano, bei der Vorstellung des jüngsten Ausgabenberichts. Der Weltmarkt ist gigantisch. Sipri zufolge wurden im vergangenen Jahr global 1,1 Billionen Euro insgesamt für Rüstung ausgegeben. 

Der Chef der EADS-Rüstungssparte Cassidian, Stefan Zoller, setzt auch deshalb längst auf das Geschäft außerhalb Europas. Er will Hunderte Verwaltungsstellen hier kürzen und Arbeitsplätze in Asien und Südamerika aufbauen. Wenn Indien Hunderte Eurofighter bestellt, sollen die großenteils dort gebaut werden - sonst wäre der Auftrag kaum zu bekommen. Auch Rheinmetall sieht außerhalb Europas Potenzial. „Hier schlägt der Nachholbedarf zur Modernisierung der Streitkräfte spürbar zu Buche“, heißt es im jüngsten Quartalsbericht.

Im Ausland begehrt - in Deutschland oft unerwünscht 

Doch so begehrt Rüstungsgüter im Ausland sind, so schwierig ist das Thema hierzulande, wie der Streit um die angeblich geplante Lieferung 200 deutscher Leopard-Kampfpanzer nach Saudi-Arabien zeigt. Das Thema ist heikel, auch weil es nicht recht zum friedlichen Selbstbild der Republik passen will. Dabei ist der Export streng geregelt, unter anderem durch das Kriegswaffenkontrollgesetz. Trotzdem bleibt das Thema heiß. Anders als etwa in den USA ist Waffenhandel nicht eben hoch angesehen. Und teure Rüstungsprojekte passen auch immer seltener zu den Plänen der Finanzminister daheim. 

Seit der Finanzkrise müssen Europas Rüstungskonzerne den Gürtel hier enger schnallen. Aufträge werden gekürzt, Firmen klagen und bekommen Schützenhilfe von Gewerkschaften. So sieht die IG Metall etwa im militärischen Flugzeugbau Zehntausende Jobs in Gefahr, wenn die Bundeswehr auf teure Drohnenprojekte verzichtet, weniger Hubschrauber oder Kampfflugzeuge bestellen sollte. Schon jetzt wird etwa im Cassidian-Werk in Manching, wo Mitarbeiter die Eurofighter und Transall-Maschinen der Luftwaffe warten, die Arbeit knapp.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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