Rüstungsindustrie
Megafusion scheitert am politischen Widerstand

Die Fusion von EADS und BAE Systems ist gescheitert. Die Bundesregierung soll den Deal verhindert haben, weist den Vorwurf aber zurück. Doch die Union sieht Optionen für EADS: Der Konzern solle sich in Italien umsehen.
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Paris/Berlin/LondonDie geplante Megafusion von EADS und BAE System zu einem neuen Luftfahrt- und Rüstungskonzern ist geplatzt, teilten die beiden Konzerne mit. Die beiden größten europäischen Rüstungsunternehmen werden keine Verlängerung der Frist für ihre Fusionsgespräche beantragen.

Beide Unternehmen hätten an die industrielle Logik der Verbindung geglaubt, heißt es in der Pflichtmitteilung. Es sei aber deutlich geworden, dass die Interessen der beteiligten Parteien nicht in Einklang gebracht werden konnten. „Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben“, schrieb EADS-Chef Tom Enders in der Mitteilung. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs weiter fortsetzen werde.

Der Luft- und Raumfahrtkonzern sieht Deutschland als Hauptverantwortlichen für das Scheitern der Fusionsverhandlungen mit dem britischen Wettbewerber BAE Systems. „Es war in erster Linie die deutsche Regierung, die das hat scheitern lassen“, sagte ein EADS-Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Die Bundesregierung habe ihre Ablehnung des Zusammenschlusses nicht begründet, die Regierungen in London und Paris seien dafür gewesen, sagte der Sprecher. Später rückte der Konzern von dieser Aussage ab, es werde niemandem die Schuld zugewiesen. Die unterschiedlichen Interessen seien nicht in Einklang zu bringen gewesen.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere wies den Vorwurf zurück, die Fusion mit der britischen BAE Systems sei an Deutschland gescheitert. „Ich habe die Meinung zur Kenntnis genommen. Ich teile sie nicht“, sagte der CDU-Politiker in Brüssel.

EADS-Chef Tom Enders hat nach eigenen Angaben die deutschen Bedenken gegen die geplante Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems unterschätzt. „Ich bin bereit einzugestehen, dass ich nicht mit so heftigem Widerstand gegen diesen Zusammenschluss gerechnet habe, vor allem nicht aus Berlin“, schrieb er am Mittwoch in einem Schreiben an die Beschäftigten des Konzerns. Die Regierungen in Frankreich und Großbritannien hätten starke Bemühungen unternommen, um die politischen Hürden zu überwinden, betonte er in dem Brief. „Wir sind natürlich enttäuscht, keine Einigung mit unseren verschiedenen Regierungen erreicht zu haben“, erklärte auch BAE-Chef Ian King in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Konzerne.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer, sieht für EADS nach der geplatzten Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE gute Chancen für eine Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen. Dass die Fusion mit BAE gescheitert sei, sei bedauerlich. „Damit wurde die Chance verpasst, einen europäischen Player zu schaffen, der dauerhaft an der der Spitze im Verteidigungsbereich mitspielen kann“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online.

„Es ist aber noch nicht aller Tage Abend“, fügte Pfeiffer hinzu. Es gelte jetzt zu überlegen, ob es weitere Optionen für EADS gebe. „In Europa sehe ich zum Beispiel in Italien Unternehmen und Fähigkeiten, die für eine Zusammenarbeit interessant wären.“

Möglich sind aus Pfeiffers Sicht aber auch neue Verhandlungen über eine Fusion mit BAE Systems. Denn: „Es wäre möglich gewesen, die verschiedenen nationalen Interessen, etwa die Frage des Unternehmenssitzes beziehungsweise die Sicherung technologisches Knowhows, unter einen Hut zu bekommen“, sagte er. Die Verhandlungen seien nur an der Frage der staatlichen Beteiligungen gescheitert. „Es macht aber jetzt wenig Sinn, sich dafür gegenseitig den Schwarzen Peter zuzuschieben.“

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EADS-Papiere gewinnen hinzu

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Großaktionäre lehnten eine Fusion ab

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  • Der Chefredakteur Herr Steingart meint, dass die Regierungen den Sachargumente für eine Fusion nicht zugänglich waren und bedauert dies.

    Ich weiß nicht, ob es Sachargumente waren die die Fusion scheiternließen.
    Aber ich finde es besser, dass die BVriten draußen sind. Wir haben schon mit den Franzosen genug am Hals, die ständig auf allen Gebieten Ihre Hegemonie verbreiten wollen.
    Hättem sie keine Atomwaffen, würde kein Mensch diese überheblichen Wichtigtuer ernst nehmen.

    Die Deutschen konnten vor und nach dem Weltkriegen bessere Flugzeuge bauen.
    Wir können es selbst.
    Zudem ist der Auftragbsgestand bon EADS 10 mal höher als der von BAE Systems.
    Den Aktienkurs hatten die Angelsachsen bis gestern gedrückt, um eine bessere Ausgangsposition zu haben.
    Mit ihrem Flieger F22 bzw F-35 an deren Bau sie beteiligt sind, haben sie bis jetzt kein Glück, da er nach solanger Zeit noch nicht in Serie produziert wird.Die Kunden sind schon z.T. abgesprungen.
    Jetzt sucht man nach neuer Technologie bei EADS und Finanzspritzen. Wie durchschaubar.
    Selbst Merkel hat das schon geblickt, bzw. man hat es ihr gesagt.
    Endgültig ist eine Fusion leider nicht vom Tisch, evtl. nach der Bundestagswahl im Hernst 2013.

  • Es ist richtig dass Berlin UND Paris den Daumen gesenkt haben !
    Die Forderung von INVESCO dass die Regierungen nach einer Fusion
    weniger Einfluss haben sollen ist doch schon entlarvend.

    Natürlich kommen dann die Finanzinvestoren um diese Anteile zu übernehmen.
    Die sind oft direkt oder indirekt amerikanische Fonds (so wie INVESCO),
    das Management steht meistens naturgemäß den Republikanern nahe
    und schwupps kontrollieren diese nationalistischen Kreise in den USA
    dann auch die europäische Rüstungsindustrie ...

  • Diese gescheiterte Fusion eröffnet einen klaren Blick auf die tatsächliche Lage in Europa.

    Das ganze unseelige Gequatsche über die Vereinigten Staaten von Europa geht schon bei der ersten multilateralen Geschäftstransaktion in die Knie. Diese egomanischen Regierungen in Europa werden niemals!! ihre Kernmacht an ein Europa abgeben und sich von dort dominieren lassen. Genau das würde ein gemeinsames Europa brauchen. Genau das wäre für mich die alternativlose Basis für Rettungsgelder an andere europäische Staaten.

    Ohne diese Einigkeit gäbe es von mir keinen Cent!

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