Rüstungskonzern
Rheinmetall greift mit Puma an

Der Autozulieferer und Rüstungskonzern Rheinmetall sieht nach dem Zuschlag der Bundesregierung gute Exportchancen für seinen neuen Panzer Puma. In der Regel sind die Bundeswehr-Aufträge für die Industrie der Türöffner für Exportaufträge. Interessenten sieht Rheinmetall vor allem unter den Nato-Ländern.

MÜNCHEN/DÜSSELDORF. „Er ist der modernste Schützenpanzer auf dem Markt. Deshalb rechne ich fest damit, dass wir ihn auch im Ausland verkaufen werden“, sagte Vorstandschef Klaus Eberhardt dem Handelsblatt. Interessenten sieht er unter den Nato-Ländern, die ihre Armeen mit Leopard-Panzern ausgerüstet haben. Dazu zählt neben den Mitgliedstaaten Griechenland, Spanien und Türkei auch Australien.

Das im MDax gelistete Unternehmen baut den Puma gemeinsam mit dem Münchener Rivalen Krauss-Maffei Wegmann (KMW). Nachdem der Bundestag dem Auftrag über 405 Puma für die Bundeswehr zugestimmt hatte, folgte am Montag die letzte Unterschrift vom Bundesamt für Beschaffung. Mit einem Volumen von 3,1 Mrd. Euro, das sich die Partner hälftig teilen, ist es für Rheinmetall der größte Auftrag seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Auslieferung der Schützenpanzer soll im Jahr 2010 anlaufen.

Für KMW und Rheinmetall ist der Puma der zweite große Panzerauftrag. 2006 bestellte das deutsche Heer 272 Transportpanzer vom Typ Boxer, die Niederlande orderten weitere 200 Stück.

Die Bundeswehr-Aufträge sind für die Industrie in der Regel der Türöffner für Exportaufträge. Voraussetzung für weitere Aufträge aus dem Ausland sei eine geglückte Serieneinführung im deutschen Heer, sagte ein KMW-Sprecher.

Bereits mehrfach hatte die Bundeswehr als Referenzkunde Rheinmetall und KMW gute Geschäfte beschert. So kaufte ein Dutzend weitere Nationen die schweren Kampfpanzer vom Typ Leopard, dessen Produktion aber ausgelaufen ist. Aktuell profitiert KMW von der Produktion des Dingos, eines geschützten Mannschaftswagens.

Die Gemeinschaftsprojekte mit KMW sieht Eberhardt als möglichen Katalysator für eine spätere Fusion mit den Münchenern. „Vielleicht sind die Kooperationen ja ein gutes Fundament für ein gemeinsames Haus in Zukunft“, sagte der Rheinmetall-Chef.

Die Überlegungen zu einer Großfusion im Rüstungssektor sind nicht neu. Vor einigen Jahren hatten die Düsseldorfer bei der KMW-Eignerfamilie Bode in der Sache angeklopft. Die Pläne scheiterten an der Frage, wer das Sagen beim verschmolzenen Unternehmen haben sollte. Die Familie Bode kontrolliert 51 Prozent von KMW, den Rest hält Siemens. Eine Fusion unter Führung von Rheinmetall lehnte KMW mehrfach ab.

Für Eberhardt ist der Puma-Auftrag ein wichtiger Baustein, um Rheinmetall stärker auf das Rüstungsgeschäft auszurichten. Im vergangenen Jahr entfiel noch etwas mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von 3,9 Mrd. Euro auf die Automotive-Sparte. Im laufenden Geschäftsjahr wird sich das Verhältnis aber deutlich verschieben, wie sich an der Entwicklung im ersten Quartal zeigt. Während die Rüstungssparte ein Umsatzplus von sieben Prozent erzielte, brach das Autozuliefergeschäft um 41 Prozent ein.

Die Zuwachsrate vom Auftaktquartal 2009 will Rheinmetall in der Rüstungssparte künftig übertreffen. „Wir wollen unseren Umsatz im Defence-Geschäft durchschnittlich um zehn Prozent pro Jahr steigern“, sagte Eberhardt. Bis zum Jahr 2013 sollen die Erlöse der Sparte auf drei Mrd. Euro steigen.

Treiber soll der Puma-Großauftrag sein, der Rheinmetall auch ohne Bestellungen aus dem Ausland ein bequemes Auftragspolster verschafft. „Unser Auftragsbestand im Defence-Bereich erreicht damit ein historisches Hoch von deutlich über 4,5 Mrd. Euro, und wir sind nicht mehr weit von unserem Zielwert von fünf Mrd. Euro für dieses Jahr entfernt“, sagte Eberhardt.

Mit der Verlagerung auf das krisensichere Geschäft mit den Militärs will sich Rheinmetall besser gegen Schwankungen absichern. Im Automobilgeschäft sieht Eberhardt zwar eine „leichte“ Entspannung. „Es wird aber eine Belastungsprobe in diesem Jahr bleiben.“ Deshalb sei es sein Ziel, den Defence-Bereich so stark wie möglich zu machen. „Jedenfalls stark genug, um diese Belastungen auszugleichen.“ Nach einem Verlust vor Steuern und Zinsen im ersten Quartal rechnet der Manager laut früheren Angaben für 2009 mit einem operativen Gewinn von 100 Mio. Euro.

Analysten begrüßen den Schwenk weg vom zyklischen Autogeschäft. WestLB-Analyst Wolfgang Fickus warnte aber, die Verteidigungsbudgets könnten wegen der Finanzkrise gekürzt werden.

Frisches Kapital

Rheinmetall will sich über eine Kapitalerhöhung frisches Geld besorgen. In einem beschleunigten Platzierungsverfahren sollen 3,6 Mio. Aktien institutionellen Investoren zum Kauf angeboten werden, teilte das Unternehmen gestern mit. Dies entspricht zehn Prozent des Grundkapitals. Die von der Commerzbank und Goldman Sachs begleitete Transaktion soll heute abgeschlossen werden. Mit dem Erlös, der beim aktuellen Aktienkurs 109 Mio. Euro betragen würde, will Rheinmetall seine Rüstungssparte stärken und die Schulden senken. Die Aktie schloss gestern mit einem Abschlag von 4,1 Prozent.

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