Rüstungskonzern
Thales Deutschland rechnet mit hartem Jahr

Die Diskussion um die Bundeswehr-Reform bereitet Thales Deutschland Sorgen. Sie ist der wichtigste Kunde des Unternehmens. Die Hoffnung ruht nun vor allem auf dem Export.
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Stuttgart Die deutsche Tochter des französischen Rüstungs- und Elektronikkonzerns Thales stellt sich auf ein hartes Jahr 2011 ein. "Es wird schwierig im Heimatmarkt", sagte Thales-Deutschland-Chef Markus Hellenthal am Dienstag in Stuttgart. "Ich glaube, dass 2011 für unser Geschäft mit das schwierigste Jahr werden dürfte." Die Voraussetzungen für Geschäfte mit dem wichtigen Kunden Bundeswehr seien nicht leicht. Die Diskussion um die Reform habe für eine "Lähmung" bei der Beschaffung gesorgt, wichtige Projekte hätten sich verschoben.

Auch vom zweiten Großkunden Deutsche Bahn erwartet der Manager erst in der zweiten Jahreshälfte wieder größere Aufträge. "Der Fokus liegt auf dem Export", sagte Hellenthal. "Nur wenn wir hier erfolgreich sind, können wir das kompensieren, was wir hierzulande bei den öffentlichen Auftraggebern nicht realisieren können." Hoffnung setzt er dabei vor allem auf den Mittleren Osten, Südamerika mit dem Schwerpunkt Brasilien, Osteuropa, Skandinavien und Südostasien. Bisher macht der Export ein Drittel des Umsatzes aus.

Im vergangenen Jahr steigerte Thales Deutschland die Erlöse leicht auf 1,39 Milliarden Euro (2009: 1,38 Mrd Euro). Damit steuerte die drittgrößte Landesgesellschaft nach Frankreich und Großbritannien rund zehn Prozent zum Gesamtumsatz des Thales-Konzerns bei (2010: 13,1 Mrd Euro). Das Ergebnis der Thales Deutschland GmbH sei "deutlich positiv" gewesen, sagte Hellenthal. Genaue Zahlen nannte er nicht. Insgesamt hatte die Thales-Gruppe im vergangenen Jahr einen Verlust von 92 Millionen Euro verbucht.

Die Zahl der Mitarbeiter bei der deutschen Tochter blieb mit etwa 6000 stabil, mehr als die Hälfte von ihnen arbeiten in Baden-Württemberg. Der Auftragseingang legte auf 1,3 Milliarden Euro (2009: 1,29 Mrd Euro) zu. Geschäftsfelder des Unternehmens sind Verteidigung, Sicherheit, Transport sowie Luft- und Raumfahrt.

Insgesamt schrumpfte der Auftragseingang in der Sparte Verteidigung im vergangenen Jahr. "Wir arbeiten im Moment an Projekten, deren Ende absehbar ist", räumte der Manager ein. Die große Frage sei derzeit, wie das Unternehmen unter diesen Umständen seine hoch spezialisierten Experten halten könne. "Wenn die Leute weg sind, haben wir ein Problem." Die Spezialisten würden anderswo "mit Handkuss" genommen - zum Beispiel in der Autoindustrie.

"Wir sehen der Neuausrichtung der Bundeswehr aber weiterhin grundsätzlich sehr positiv und blicken daher auch optimistisch nach vorne", sagte Hellenthal. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie begreife den Reformprozess auch als Chance - verbunden mit neuen Aufträgen. Der neue Verteidigungsminister Thomas de Maizière will die wichtigsten Eckpunkte der Reform noch vor der Sommerpause präsentieren.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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