Rüstungskonzerne
Deutsche Produzenten verlieren beste Kunden

Die deutsche Rüstungsindustrie droht ins Hintertreffen zu geraten. Mit Spanien, Portugal und Griechenland stecken die besten Kunden in Finanznöten. Nun müssen neue Märkte erschlossen werden.
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DüsseldorfWer die modernste Panzerstreitmacht Europas sehen will, der muss nach Griechenland. Nicht weniger als 170 schwere Leopard-2-Kampfpanzer orderte die griechische Regierung noch 2008, der Auftrag über 1,7 Milliarden Euro ging an Krauss-Maffei-Wegmann in München. Auch die U-Boot-Flotte der Hellenen ist Weltklasse: Für 1,6 Milliarden Euro lieferten die Kieler HDW und die Essener Ferrostaal modernste U-Boote vom Typ 209. Die fast lautlosen Brennstoffzellen-Antriebe machen die griechischen U-Boote zu den gefürchtetsten Waffen auf den Weltmeeren.

Verhandlungen über bis zu 48 Eurofighter aus dem Hause EADS Cassidian wurden abgesagt, als klar war, dass Griechenland faktisch pleite ist. „Die Party ist vorbei“, fasst ein deutscher Rüstungsmanager die Situation zusammen. In den vergangenen zehn Jahren profitierte die deutsche Rüstungsindustrie von dem ungehemmten Kaufrausch in Südeuropa. Den Daten des Stockholmer Sipri-Instituts zufolge sind es vor allem die Lieferungen an Griechenland, Portugal und Spanien, die Deutschland in den vergangenen Jahren zum drittgrößten Waffenexporteur der Welt gemacht haben.

Möglichst rasch wollten die südlichen Nato-Partner mit ihren scheinbar unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten ihre Streitkräfte modernisieren. Für Rheinmetall, Krauss-Maffei-Wegmann, HDW oder EADS Cassidian war das ein Segen: Die Bundeswehr drosselt seit Jahren ihre Bestellungen.

So haben alle Hersteller jetzt einen Kater: Krauss-Maffei Wegmann musste bis zuletzt auf einen dreistelligen Millionenbetrag für seine Panzer warten, erst eine Intervention aus Berlin sorgte für die Überweisung der letzten Rate aus Athen. Die Essener Ferrostaal ging im griechischen Korruptionssumpf fast unter und zahlte im November 150 Millionen Euro Bußgeld an die Staatsanwaltschaft München.

Jetzt zieht die Karawane weiter, die Branche sucht neue Märkte. KMW und Rheinmetall hoffen auf Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Brasilien. EADS Cassidian setzt ebenfalls auf den Nahen Osten und Indien. Doch eine Gewissheit wächst bei allen Beteiligten: So einen guten Kunden wie Griechenland findet man nur ganz selten auf der Welt. Markus Fasse

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  • Selbstverständlich wird hier nichts von den gemeimen Veträgen gesagt, die Griechenland im Gegenzug zu Hilfen die Abnahme deutscher Rüstungsgüter vorsahen. Solidarität ist damit fast nirgendwo mehr kostenlos. Überall muss Profit rausspringen. Schade eigentlich, denn damit verliert man ein Stück "Mensch-sein".

  • Rechne ich zusammen, was über Jahrzehnte GR dafür bezahlt hat, brauche ich keine Antwort wodurch die Pleite kommt. Schade, dass es keine Griechen mehr gibt, die dieses Land mit Tugend und Würde regieren können.

  • Frau Merkel und ihre Bosse werden schon darauf achten, dass die Einsparungen der "besten Kunden" im Bereich ihrer Verteidigungshaushalte nicht zu drastisch ausfallen werden. Am Beispiel Griechenlands wurde das doch schon mehr als offenstichtlich. Es darf/soll überall radikal gekürzt werden, aber finanzielle Unterstützung gibt es nur solange die Bestellungen bei Rheinmetall und Co. eingehalten werden. Und sollte es doch noch zum Bürgerkrieg kommen, ist die win-win Situation perfekt.

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