Rüstungskonzerne
EADS und BAE sind zu Zugeständnissen bereit

Mit der Gründung eines neuen Unternehmens in den USA wollen die Konzerne Bedenken des dortigen Verteidigungsministeriums ausräumen. Sensible Rüstungsverträge könnten so vor ausländischem Zugriff geschützt werden.
  • 3

LondonBAE Systems und EADS wollen zur Sicherung ihres Fusionsvorhabens einem Zeitungsbericht zufolge Zugeständnisse an die USA machen. Um Bedenken wegen hochsensibler Rüstungsverträge auszuräumen, hätten die beiden Konzerne dem US-Verteidigungsministerium die Gründung eines zweckgebundenen Rüstungsunternehmen in den USA vorgeschlagen, berichtete die „Sunday Times“ ohne Angaben von Quellen. Geführt werden soll die Firma von US-Managern. Lediglich der Brite Ian King, Chef von BAE Systems, soll Teil des Teams sein. Deutsche und französische Manager sollen ausgeschlossen werden und noch nicht einmal Zugang zu den Verträgen mit den USA haben. BAE wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. EADS war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die beiden europäischen Firmen wollen sich zum weltweit umsatzstärksten Luftfahrt- und Rüstungskonzern zusammenschließen. Aufgrund nationaler Interessen im Rüstungsbereich gibt es vonseiten der Politik jedoch zunehmend Bedenken. Zudem ist Frankreich direkt an EADS beteiligt und will seinen Staatseinfluss nicht aufgeben. Deutschland dringt auf Parität.

Vor allem BAE unterhält in den USA aber Verbindungen zu zahlreichen Firmen wie Boeing oder Lockheed Martin. Dies ist möglich, weil das US-Verteidigungsministerium BAE eine Sondergenehmigung - eine sogenannte SSA - erteilt und damit Zugang zu brisanten Informationen ermöglicht hat. BAE wolle die Fusion nur durchziehen, wenn es die SSA beibehalte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf das Unternehmen.

Der für die Luftwaffe zuständige Staatssekretär im US-Verteidigungsministerium, Michael Donley, erklärte vor wenigen Tagen, dass die Sicherheitsfragen des geplanten Zusammenschlusses erst geklärt werden könnten, wenn mehr Details vorlägen. Einige Analysten rechnen damit, dass BAE Systems einen Teil seines Geschäfts in den USA veräußern muss, um die Zustimmung der US-Behörden zu bekommen.

Mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten der Nachrichtenagentur Reuters jedoch, dass es eher unwahrscheinlich sei, dass sich US-Verteidigungsministerium sowie Kartellwächter der Fusion von EADS und BAE in den Weg stellten. EADS habe nur wenige staatliche US-Rüstungsaufträge erhalten und zudem wenige Überschneidungen mit den Geschäften von BAE Systems in den USA.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rüstungskonzerne: EADS und BAE sind zu Zugeständnissen bereit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Dieser Deal macht doch klar, dass die EU schon länger der weltgrößte Waffenexporteur ist. Bisher wurden in allen Statistiken die Daten der EU-Staaten nur einzeln gelistet. Aber wenn man da mal zusammenzählt, übertrifft die EU die USA im Waffenexport schon lange.

  • Jetzt lassen sie endlich die Katze aus dem Sack.
    Nach zwei Wochen Werben und Propaganda in den Medien wird nun klar, wer einmal wieder im Hintergrund die Fäden zieht.

    Enders, als fleißiger Bilderberger, will den USA das EADS-KnowHow zuführen. Es geht nicht um eine Stärkung sondern um eine Schwächung der EADS.

    Ein Zusammenschluß mit der englischen BEA ist schon deshalb verwunderlich, weil die Engländer doch von jeher eine Schwächung der EU betreiben und bei den entscheidenden Punkten eher Kontraproduktiv wirken.

    Jetzt wollen die USA und England massiven Einfluß auf die EADS nehmen.
    Finger weg von diesem Deal!
    Betriebswirtschaftlich mag man einen solchen Schritt heute schönfärben können. Politisch wäre ein Zusammenschluß unter den bekannten Bedingungen eine Katastrophe.

  • Die Reaktion der USA ist schon sehr bemerkenswert.

    Was haben wir doch für g u t e Freunde.

    Es stellt sich mir jetzt die Frage, ob europäische Unternehmen ebenso handeln oder handeln sollten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%