Rüstungskonzerne
Größter BAE-Aktionär attackiert Fusion mit EADS

Die Fusion zwischen dem britischen Rüstungskonzern BAE und EADS wird immer unwahrscheinlicher. Nicht nur größte Aktionär der Briten ist skeptisch, auch die britische Regierung glaubt nicht an eine Einigung.
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LondonDer größte Aktionär des britischen Rüstungskonzerns BAE Systems hat sich mit deutlichen Worten gegen die geplante Fusion mit der Airbus-Mutter EADS gestellt. Die Investmentgesellschaft Invesco Perpetual machte am Montag unter anderem Bedenken wegen der Staatsbeteiligungen geltend. So würde die herausragende Stellung von BAE auf dem amerikanischen Markt in Gefahr gebracht. Der Weiterbestand beider Firmenteile nach einer Fusion erschwere zudem Einsparungen. Insgesamt habe BAE auf dem internationalen Rüstungsmarkt und vor allem in den USA und Großbritannien allein gute Aussichten, erklärte der Investor.

Auch über die geplanten Bedingungen für die Aktionäre äußerte sich Invesco unzufrieden. So sei der Dividendenertrag bei BAE doppelt so hoch wie bei EADS. BAE-Aktionäre müssten nach einer Fusion mit einem deutlichen Rückgang rechnen. Invesco besitzt gut 13 Prozent der BAE-Aktien.

Auch Großbritannien bezweifelt eine schnelle Einigung auf die geplante Megafusion der beiden europäischen Konzerne EADS und BAE Systems. "Ehrlich gesagt gehe ich nicht davon aus, dass es irgendeine Chance gibt, dass bis Mittwoch eine Vereinbarung steht", sagte der britische Verteidigungsminister Philip Hammond am Montag dem Sender BBC. Frankreich müsse den EADS-Anteil signifikant zurückfahren, damit ein Zusammenschluss mit BAE Systems durchgehe. Frankreichs Beteiligung sollte im Gleichklang mit prozentual einstelligen Anteilen von institutionellen Investoren sein. Hammond legte den Konzernen nahe, eine Verlängerung der von den britischen Behörden gesetzten Frist für Mittwoch zu beantragen.

Im Falle eines Zusammenschlusses des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems entstünde ein Branchenprimus mit einem Umsatz von rund 72 Milliarden Euro und weltweit gut 220.000 Beschäftigten. Die britische Regierung hatte am Sonntag mit ihrem Veto gegen eine Fusion der Konzerne gedroht. Sie ist besorgt, dass Deutschland oder Frankreich in dem neuen Unternehmen zu viel Einfluss haben könnte. Die Höhe der Staatsbeteiligungen ist ein Kernstreitpunkt zwischen den Regierungen. Insbesondere sorgt das deutsche Vorhaben für Probleme, am neuen Unternehmen einen gleich hohen Anteil wie Frankreich von voraussichtlich neun Prozent zu halten.

Der französische Staat hält derzeit knapp 15 Prozent an EADS, weitere 7,5 Prozent hält der französische Konzern Lagardère. Auf deutscher Seite hält Daimler 22,35 Prozent; 7,5 Prozent sind im Besitz eines Konsortiums, dessen Stimmrechte ebenfalls Daimler hält. EADS und BAE Systems hatten Mitte September bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln. Bis Mittwoch müssen sie nach britischen Börsenregeln das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts verkünden - oder eine Fristverlängerung beantragen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rüstungskonzerne: Größter BAE-Aktionär attackiert Fusion mit EADS"

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  • Wenn Toulouse Sitz der zivilen Sparte ist und Farnborough Sitz der militärischen Sparte wird, dann wird EADS wohl zum französisch/englischen Konzern. Deutsche Luft- und Raumfahrt adé.

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