Rund 13 Millionen Euro Streitwert
Käufer klagt gegen Stollwerck

Der Schokoladenhersteller Stollwerck, deutsche Tochterfirma des weltgrößten, börsennotierten Schokoladenproduzenten Barry Callebaut, soll beim Verkauf zahlreicher Marken wie Gubor, Schokakola und Kneisl den Käufer über den Tisch gezogen und schlechte Umsatzzahlen bewusst verschwiegen haben.

ZÜRICH. Diesen Vorwurf erhebt das Norderstedter Unternehmen Genuport, das die Marken vor zwei Jahren von Stollwerck übernommen hat. Jetzt hat es beim Landgericht Hamburg eine Klage deswegen eingereicht.

Der Streitwert von rund 13 Mill. Euro ist zwar für Stollwerck und erst recht nicht für Barry Callebaut bedrohlich, der Prozess kommt aber für die Schweizer zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Barry Callebaut versucht seit Monaten, in den USA den Zucker- und Schokoladenhersteller Brach’s zu verkaufen. Und in Deutschland gehört Sarotti zu den Marken, die die Schweizer lieber loswerden als behalten wollen.

Der jetzt aufscheinende Verdacht eines unkorrekten Umgangs mit Käufern könnte Interessenten abschrecken. Stollwerck und Barry Callebaut bestätigen den Erhalt der Klageschrift. Zu den Vorwürfen wollen sie sich „mit Rücksicht auf das laufende juristische Verfahren bis auf weiteres nicht äußern“.

Laut der dem Handelsblatt vorliegenden Klageschrift geht es um folgendes: Barry Callebaut hat in den vergangenen Jahren sein deutsches Tochterunternehmen Stollwerck auf Effizienz getrimmt. Werke wurden geschlossen oder verlagert, Produkte aufgegeben. Im Rahmen dieser Strategie wurden unter anderem Marken wie Gubor, Schokakola und Kneisl für rund fünf Mill. Euro an Genuport verkauft. Inhalt des Kaufvertrags war auch eine Abnahmeverpflichtung in Höhe von 2 500 Tonnen Schokolade jährlich, die Genuport eingegangen ist. Der Kaufpreis, den die Norderstedter zahlten, beruhte auf den ihnen vorgelegten Unterlagen.

Diese enthielten jedoch, so legt jedenfalls die Klage nahe, zwei wesentliche Makel: Erstens war die genannte Quote über die nicht verkauften Produkte falsch, die der Hersteller zurücknehmen muss. Laut Klage wurden 13 Prozent genannt, was in der Branche, die mit vier bis sechs Prozent kalkuliert, schon hoch ist. Realistisch waren, wie Genuport nach dem Kauf feststellen musste, jedoch 25 bis 30 Prozent. Damit war das übernommene Geschäft deutlich weniger profitabel als angenommen.

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