Rund 8,1 Milliarden Euro geboten
General Electric übernimmt Amersham

In der Medizintechnik-Industrie stehen die Zeichen auf Konzentration: Mit der britischen Amersham Plc steht ein weiteres europäisches Unternehmen aus der Branche vor der Übernahme durch einen US-Konzern.



HB/wsj/shf FRANKFURT/LONDON. Der US-Mischkonzern will den britischen Pharma- und Medizingerätehersteller für umgerechnet rund 8,1 Mrd. € übernehmen und damit sein wachstumsträchtiges Geschäft mit Medizintechnik stärken. Unter anderem wegen schwacher Geschäfte in der Gasturbinen- und der Kunststoffsparte schraubte GE am Freitag zugleich seine Gewinnerwartungen für das laufende Quartal zurück. Das Ergebnis im vergangenen Vierteljahr entsprach indes den Prognosen.

Das Übernahmeangebot trieb den Aktienkurs von Amersham zeitweise rund 15 % in die Höhe. Von der Ankündigung profitierten auch die Titel des deutschen Wettbewerbers Schering, der Branchenexperten zufolge bereits seit längerem ebenfalls als potenzieller Übernahmekandidat gehandelt wird. GE-Titel dagegen reagierten vorbörslich mit Kursverlusten auf die Kaufpläne und die gesenkte Prognose.

Die Übernahme der britischen Amersham bietet GE eine komplementäre Ergänzung im Medizintechnik-Geschäft: Der US-Konzern stellt Diagnostiksysteme wie Röntgen-, Computertomographie- und Mammographiegeräte her, Amersham produziert dazu die entsprechenden Kontrastmittel. Auch am Life-Science-Geschäft der Briten will GE festhalten. Es gebe keine Pläne, diesen Amersham-Bereich zu verkaufen. Im Dezember vergangenen Jahres hatte GE bereits den Kauf des finnischen Medizintechnikherstellers Instrumentarium für 1,75 Mrd. € angekündigt. Die gesamte Medizintechnik-Branche befindet sich derzeit in einem Konsolidierungsprozess.

Kräftiger Preisaufschlag für Amersham-Aktie

Amersham soll per Aktientausch komplett für 5,7 Mrd. Pfund übernommen werden. Die Amersham-Aktie wird dabei mit 800 Pence bewertet, was einem vergleichsweise hohen Preisaufschlag von 45 % gegenüber dem Amersham-Schlusskurs vom Dienstag bedeute. Analysten erwarten daher, dass GE die Offerte nicht aufstocken werde. Übernahmespekulationen hatten den Kurs bereits in den letzten Tagen deutlich nach oben getrieben. Am Freitag lag die Amersham-Aktie im Londoner Vormittagshandel mit 14,3 % im Plus auf 754,5 Pence. Schering-Aktien tendierten 4,8 % höher auf 40,70 €. Analysten zufolge gilt auch der deutsche Pharmakonzern als mögliches Übernahmeziel. Gemessen an der GE-Offerte für Amersham sei Schering unterbewertet. GE-Papiere verloren vorbörslich 2,3 % auf 29,50 Dollar.

GE ist in zahlreichen Geschäftsfeldern tätig. Das Industriekonglomerat produziert Kraftwerksturbinen, Flugzeugmotoren, Medizintechnik und bietet Finanzdienstleistungen an. Es wird künftig auch um einen neuen Medienriesen erweitert, wenn die vereinbarte Verschmelzung des zum Konzern gehörenden Fernsehsenders NBC mit der milliardenschweren Unterhaltungssparte des französischen Medien-Unternehmens Vivendi Universal abgeschlossen ist. Die Strategie von GE ist es, sich verstärkt auf Sparten mit höherem Wachstumspotenzial zu konzentrieren. Die Konjunkturschwäche setzt der Turbinensparte zu, das Flugzeugmotoren-Geschäft ist wegen der Krise der Luftfahrtindustrie unter Druck. Höhere Energiekosten belasten zudem die Ergebnisse in der Kunststoffsparte.

Quartalsgewinn im Rahmen der Erwartungen

Wegen Geschäftsbelastungen in diesen Bereichen revidierte GE seine Gewinnprognose für das vierte Quartal. Demnach erwartet der Konzern nun einen Anstieg des Gewinns je Aktie von rund 45 % auf 45 bis 47 Cent. Die bisherige Prognose lautete auf 46 bis 49 Cent.

Für das abgelaufene dritte Quartal wies GE einen leicht rückläufigen Gewinn vor Berücksichtigung von Bilanzierungsänderungen von vier (Vorjahreszeitraum 4,1) Mrd. Dollar aus. Je Aktie ergab sich mit 40 (41) Cent ein Ergebnis, das exakt der durchschnittlichen Analystenschätzung entsprach. Der Umsatz legte um zwei Prozent auf 33,4 Mrd. Dollar zu.

GE geht davon aus, dass die Amersham-Übernahme das Ergebnis im kommenden Jahr nicht belasten werde. Nach drei Jahren sollen durch Synergien jährlich Einnahmen über 350 Mill. bis 400 Mill. Dollar erzielt werden. Das Geschäft werde den Konzern-Gewinn je Aktie 2005 um ein Prozent verbessern.

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