0 Bewertungen
26.11.2007 
Entstehung eines Giganten

Rusal greift nach Norilsk Nickel

von Thomas Wiebe

In Russland steht die Entstehung eines neuen Metallurgiegiganten bevor: Rusal, einer der weltgrößten Aluminiumhersteller, wird eigenen Angaben zufolge sein Geschäft breiter aufstellen und ein Viertel am weltgrößten Bunt- und Edelmetallproduzenten Norilsk Nickel erwerben. Nach dem Kauf der Sperrminorität sei nun eine Fusion der beiden möglich.

Nickel-Produktion in Norisk. Foto: reutersLupe

Nickel-Produktion in Norisk. Foto: reuters

MOSKAU. Rusal gehört mehrheitlich zur Holding des als kremlnah geltenden Oligarchen Oleg Deripaska. Verkäufer des Norilsk-Pakets in Höhe von 25 Prozent plus einer Aktie ist der bisherige Norilsk-Miteigentümer Michail Prochorow, hieß es. Prochorows Investmentfonds Onexim soll im Gegenzug elf Prozent der Anteile an Rusal sowie "eine Geldsumme“ erhalten. Rusal und Onexim hätten bereits ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet. "Mit einer Zusammenlegung würde der weltgrößte Produzent von Aluminium, Nickel, Kupfer, Platin und Palladium entstehen“, sagte Onexim-Generaldirektor Dmitri Rasumow.

Hintergrund des Geschäfts ist auch die Trennung des Milliardärs und Lebemanns Prochorow von seinem alten Geschäftspartner Wladimir Potanin. Nachdem Prochorow im französischen Skiort Courchevel zu Jahresbeginn im Zusammenhang mit einem Callgirl-Skandal festgenommen worden war, hatten beide – angeblich auch auf Druck des Kremls – beschlossen, getrennte Wege zu gehen. Erst vergangene Woche hatte Prochorow Potanin, der ebenfalls ein Viertel an Norilsk hält, seinen Anteil angeboten – für 15,7 Mrd. Dollar in bar, zahlbar innerhalb von 45 Tagen.

Potanins Holding Interros will aber nur "zu Marktkonditionen kaufen“ und eine unabhängige Schätzung des Aktienpakets einholen. Prochorow will seinen geschlossenen Investmentfonds, der heute Vermögenswerte von rund 17 Mrd. Dollar verwaltet, in den kommenden Jahren zu einem der größten in der Welt machen und die Kapitalisierung auf 30 Mrd. Dollar treiben.

Rusal war erst im März dieses Jahres aus den beiden führenden russischen Aluminiumherstellern Rusal und Sual sowie einer Beteiligung des schweizerischen Rohstoffhändlers Glencore hervorgegangen. Das zusammengelegte Unternehmen beherrscht nach eigenen Angaben 12,5 Prozent des internationalen Aluminiummarktes. Wenig später hatte das Management aber bereits (im Gespräch mit dem Handelsblatt) durchblicken lassen, dass sich der Konzern in Zukunft breiter aufstellen und in die Liga der großen internationalen Bergbaukonzerne wie Rio Tinto und Xstrata vorstoßen wolle.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der politische Hintergrund.

Gerüchte über einen möglichen Einstieg bei Norilsk kursieren in Moskau schon länger. Als Interessent galt auch der staatliche Diamantkonzern Alrosa. Branchenkreisen zufolge sind sich die beiden wichtigsten Rusal -Eigentümer, neben Deripaska ist dies der Milliardär und Mitinhaber des Ölkonzerns TNK -BP, Wiktor Wekselberg, einig, dass der Konzern im internationalen Maßstab weiter wachsen muss. Von Plänen, Rusal in London im November an die Börse zu bringen, waren die Eigentümer wohl auch zurückgetreten, um einen möglichen Abschluss mit Norilsk zu erzielen.

"Norilsk ist hochprofitabel“, sagte Analyst Wladimir Schukow von Lehman Brothers der Agentur Bloomberg. Damit könne Rusal seinen Expansionskurs finanzieren. Da Rusal bereits die gesamte Aluminiumindustrie des Landes konsolidiert habe, sei das Zusammengehen mit dem Bunt- und Edelmetallhersteller Norilsk sinnvoll.

Beobachter in Moskau sehen aber auch einen möglichen politischen Hintergrund. Rusals Einstieg schütze Norilsk zusätzlich vor dem Zugriff aus dem Ausland. Der politisch gut verdrahtete Multi-Milliardär Deripaska könne nun ähnlich wie der Jetset-Oligarch Roman Abramowitsch einst im Ölgeschäft unter den Augen des Kremls die Konsolidierung vorantreiben.

Deripaskas Holding Basic Element verfolgt selbst aber weiter gehende IPO-Vorhaben: Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen möglichst alle Aktivitäten gelistet werden. Dazu zählen neben dem Alu-Geschäft unter anderem Unternehmen im Maschinenbau, Versicherungswesen und der russische Autohersteller GAZ. Ziel ist es wohl, die Holding im Zuge der Internationalisierung transparenter zu machen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterKöpfe

„Man muss dem Glück eine Landebahn geben.“  Artikel in Merkliste

Frank Asbeck ist der Chef von Solarworld. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht er darüber, wie er mit einer Autovermietung für Journalisten in Bosnien Geld verdiente, seine seherischen Fähigkeiten als Unternehmer und über Strom für das göttliche Bodenpersonal. Artikel


Anzeige