Russen bevorzugen Beitritt zum Sky Team
Aeroflot hält die Lufthansa auf Distanz

Der Chef von Russlands größter Fluggesellschaft Aeroflot, Walerij Okulow, will sich nicht von der Politik vorschreiben lassen, in welche internationale Airline-Allianz sein Unternehmen einsteigt. Das sagte Okulow gestern dem Handelsblatt. Seit Wochen tobt in Moskau ein Streit um die Zukunft der ehemaligen Staatslinie.

mbr MOSKAU. Zur Option steht, ob die Moskauer der von der Deutschen Lufthansa geführten Star Alliance oder dem Sky Team um Air France und Delta Airlines beitreten. „Wir sind gegen Druck von außen. Es muss offen und ausschließlich nach kommerziellen Gesichtspunkten entschieden werden“, betont Okulow.

Aeroflot-Manager hatten sich für ein Zusammengehen mit dem Sky Team ausgesprochen, während die Deutsche Lufthansa auch im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskonsultationen von Bundeskanzler Gerhard Schröder und Russlands Präsident Wladimir Putin um mehr Zusammenarbeit mit den Moskauern nachgesucht hatten. Aeroflot gehört zu 51 % dem russischen Staat, der laut „Moscow Times“ die Star Alliance bevorzugt.

Das Aeroflot-Management wird in seinen Annährungsversuchen an das Sky Team auch von Moskauer Analysten und dem 30 %-Aktionär Nationalny Reservny Bank (NRB) unterstützt: So will NRB-Präsident Alexander Lebedew diese Allianz auf der Aeroflot-Aufsichtsratssitzung im März durchsetzen (Handelsblatt vom 26.1.). Die Star Alliance hat einen weltweiten Marktanteil von 26 %, das Sky Team 12 %.

Da die Russen aus ihren eigenen Deutschland-Verbindungen einen Gutteil ihrer Gewinne zögen und Lufthansa mehr eigene Flugverbindungen in russische Regionen habe, ist nach Ansicht von Analysten eine Aeroflot-Sky Team-Kooperation sinnvoller: „Lufthansa hat schon ein besseres Netz in Asien als Air France und die Deutschen haben nicht vor, den Moskauer Flughafen zum Drehpunkt für Asienverbindungen zu machen“, meint Elena Sachanowa von der Moskauer Investmentbank UFG, an der die Deutsche Bank mit 40 % beteiligt ist. Zugleich hatte Lufthansa in der vorigen Woche bekannt gegeben, mit Aeroflot über gemeinsame Sitzplatzangebote auf den Routen nach Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und München zu verhandeln.

Gute Geschäftszahlen

Aeroflot hat hingegen auch bei der morgen durch die Regierung zu entscheidende Ausschreibung für das weitere Management des internationalen Moskauer Flughafens Scheremetjewo-2 und den Neubau von Scheremetjewo-3 einen französischen Partner: Die französische Vinci SA, die am Pariser Flughafen Charles de Gaulle beteiligt ist. Als einziges Gegenangebot für das Betreiben des größten russischen Flughafens mit 11 Mill. Passagieren jährlich wurde eine Offerte der mächtigen Moskauer Alfa-Gruppe um den Oligarchen Michail Fridman zugelassen. Sollte sie gewinnen, will sie die Münchner Flughafengesellschaft mit in Verwaltung und Neubau einbinden.

Die Diskussion findet statt vor guten Geschäftszahlen: Demnach wurde der Umsatz um 11 % gesteigert und der Reingewinn um 15 % auf 113 Mill. $ erhöht, sagte Okulow gestern. Trotz der Lungenkrankheit Sars in Asien und des Irak-Kriegs nahmen die Passagierzahlen um 6,5 % auf 5,8 Mill. Flugreisende zu und die Auslastung der Maschinen um 1 % auf 69,4 %. Die Frachtmenge erhöhte sich um 4,4 % auf 114,2 Mill. Tonnen. „Alle Kerndaten übersteigen das Vorjahr. Das zeigt uns, dass wir auf etwas stolz sein können und an anderen Dingen noch arbeiten müssen“, so Okulow.

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